Leben vor dem Heim

Die Lebensanfangsbedingungen waren für viele Kinde schwer, die familiäre Situation war häufig nicht optimal. Aber die Zeitzeugen berichten auch von Eltern und Geschwister, an die sie häufig denken mussten und die ihnen Halt und Trost gaben.

Einführung

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Das Hineinwachsen in die Familie ist die zweite Geburt eines Menschen. Es ist immer mit Problemen verbunden. Es gibt keinen konfliktfreien Raum unter Menschen.       Logo
 
Und die meisten Konflikte entstehen gerade dort, wo sich Menschen nah sind. Wo sich Menschen nah sind, entstehen Erwartungen aneinander und Erwartungen können enttäuscht werden und in Frustration, Aggression und Gewalt umschlagen. 
 
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Bericht von Axel L. zur Familiensituation in seiner Kindheit

 
 
Wie Abertausende andere Kinder, bin/war ich Scheidungskind, d. h. meine Mutter trennte sich von meinem leiblichen Vater als ich drei Jahre alt war.       Axel
 
Er zog nicht einmal mehr in die neue Wohnung ein, so dass sie mit mir allein blieb. Von der Trennung bekam ich natürlich so noch nichts mit, nur durch die Folgen.
Wenige Jahre später erschien ein erster Stiefvater, den ich als Tyrann und Schläger in Erinnerung habe. Ich war etwa 6 oder 7 Jahre alt und habe die Spannungen im Elternhaus noch gut in Erinnerung. Meine Mutter, zuvor schon eine Weile lang alleinerziehend, war hoffnungslos überfordert, schaffte es kaum, mich pünktlich aus dem Kindergarten abzuholen und wollte sicherlich nicht länger allein bleiben.
Es kam, wie es kommen musste, der Mensch zog bei uns ein und als Elektriker wusste er wahrscheinlich oder auch aus eigener Erfahrung, womit man züchtigen kann. Im Mehrfamilienhaus, das wir bewohnten, hörte man und wusste davon. Ein Mal kam deswegen die Polizei ins Haus.
Nach vielleicht zwei Jahren verschwand der Typ endlich und es kam ein neuer Stiefvater, der bereits drei eigene Kinder aus einer Beziehung hatte und mit seiner Ehe offenbar auch nicht klar kam. Die drei Kinder brachte er nicht mit, zu meinem Glück vermutlich. Dennoch erwuchs natürlich Eifersucht meinerseits gegenüber ihnen, was mir auch nicht gut bekam.
Er war immerhin weniger brutal, doch das eine und andere Mal erhielt ich dennoch Prügel mit dem Lederriemen und meine überforderte Frau Mutter schaute zu. Ich gewöhnte mich so gut es ging an die Verhältnisse, bis es nicht mehr ging. Irgendwann, weil ich die Spannungen nicht mehr ertrug und aus Angst vor weiteren Bestrafungen, riss ich aus und blieb mit einem anderen Jungen tage-und nächtelang weg, bis uns die Polizei schnappte.
Als ich 10 Jahre alt war, starb mein leiblicher Vater. An der Beerdigung nahm ich teil und war psychisch nun vollkommen überfordert. Es warf mich quasi für Monate aus der Bahn.
In der Schule fielen meine Probleme natürlich auf und daher wurde die Kinder- und Jugendhilfe eingeschaltet. Schlussendlich kam ich in das „Spezialkinderheim Ernst Schneller“ zu Eilenburg/Sachsen, s. Text „mein erster Tag“.
 
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