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Pädagogik

Pädagogik ist die Philosophie der Erziehung.
Eigentlich ist Erziehung die einfachste Sache der Welt. Sie ist eine Nebenfolge des Mit- einander Lebens. Schwer ist es jedoch Kinder zu erziehen, die nicht in der Familie leben. Hierfür gibt es die Heim- pädagogik.

Johann Amos Comenius 1592 - 1670

"Omnes Omnia Omino" (Alles Allen Allseitig)
 

28. März 1592 wird Komenský in Niwnitz/Nivnice in Mähren  geboren.

1608-1611 Eintritt in die Lateinschule der Brüderunität in Prerau.

1611-1613 Studium der Theologie und Philosophie in Herborn und Heidelberg (als Mitglied des Bundes der Brüderunität).

1616 Ernennung zum Prediger der Böhmischen Brüderunität, Betreuung verschiedener Ämter.

1618-1648 Dreißigjähriger Krieg.

1628 Mit vielen seiner Glaubensbrüder Auswanderung nach Lissa (Polen).

1636 Ernennung zum Geistlichen und Rektor des Gymnasium von Lissa/Polen; Wahl zum Bürgersenior.

1641 Englische Parlament berief ihn zur Gründung von wissenschaftlichen Kollegs nach London.

1653-1654 „Orbis pictus“ (Die sichtbare Welt in Bildern), „Schola ludus“ (Die Schule als Spiel).

1670 (15. Nov.) Tod in Amsterdam.

      Comenius

Pädagogischer Leitgedanke. Trotz zahlreicher harter Schicksalsschläge verlor Johan Amos Comenius niemals seinen Glauben an die Güte des Menschen. Der tschechische Theologe, Philosoph und Pädagoge war überzeugt von der menschlichen Bildungsfähigkeit und der grenzenlosen Fassungskraft des Geistes. Comenius entwickelte die erste systematisch aufgebaute Pädagogik der Neuzeit auf der Basis der Muttersprache und entwarf das erste Bilderbuch für Kinder. Comenius sah in der Erziehung den einzigen Ausweg aus dem verkehrten Zustand der Menschheit. In einer Zeit, die von Kriegen, Unterdrückung und Unrecht geprägt war, verlor er nie den Glauben an die Macht der Erziehung und die Selbstbildungsfähigkeit des Menschen. Alle hieß für ihn: jeder einzelne Mensch ungeachtet seines Alters, seiner Besitzverhältnisse, seines gesellschaftlichen Standes und seines Geschlechts. Von allem wollte er das Wesentliche, die Grundlage lehren.

 

Seine Methode war ganzheitlich und frei von Zwang. "Die Lust zu ergründen" wollte er fördern, das Lernen sollte "wie ein Spiel und kurzweilig vor sich gehen". Er forderte eine öffentliche Schule für alle. Comenius war überzeugt davon, dass jeder Mensch gefördert werden kann. "Wenn Sie sagen, dass man nicht aus jedem Holz einen Löffel schnitzen könne, so antworte ich: Aber aus jedem Menschen kann ein Mensch werden, wenn nicht einer auftritt, der die Sache verdirbt." Nach Comenius' Vorstellungen soll sich Erziehung in vier Schritten vollziehen: Schon von der Wiege an lernen die Kinder in der "Mutterschule" .Von sechs bis zwölf sollen dann alle Kinder in öffentlichen Schulen Lesen, Schreiben, Messen, Rechnen, sowie grundlegende religiöse, sittliche, geographische, geschichtliche und politische Kenntnisse erlernen - nicht wie damals in den wenigen Schulen üblich in Latein, sondern in der Muttersprache. Wer keinen handwerklichen oder kaufmännischen Beruf ergreift und die Begabung für ein Studium besitzt, geht danach bis 18 in die Lateinschule, lernt neben weiteren Übungen in der Muttersprache Latein, Griechisch und Hebräisch, die klassischen Künste, Physik, Geographie, Chronologie, Geschichte, Ethik und Theologie. Die Universität von 19 bis 24 Jahren soll trotz Fächerwahl weiter auch allgemeinbildend sein.

 

Sein Einfluss. Comenius' Reformvorschläge wurden in seiner Zeit kaum umgesetzt. Aber dennoch hatte sein Lebenswerk indirekten Einfluss auf die Entwicklung des Schulwesens - vor allem auf die Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht und auf die Einführung des muttersprachlichen Unterrichts als Fundament der Volksbildung. Seine schriftlichen Werke waren von längerer Dauer. Sein pädagogisches Hauptwerk ist die "Didactica magna" (Große Unterrichtslehre), eine der wichtigsten Schriften in der Geschichte der Didaktik. Diese pädagogische Systematik enthält schon alle wesentlichen Prinzipien, Kategorien und Grundfragen, die die Pädagogik der Neuzeit bewegen: von anthropologischen Grundfragen über Erziehungsziele, Lerninhalte und Methodikfragen bis hin zu Fragen der Schulorganisation. Ebenso bekannt ist der "Orbis sensualium pictus" (Die sichtbare Welt in Bildern), eines von Goethes Lieblingsbüchern. Es ist ein illustriertes, lateinisch-deutsches Sprachenbuch für Kinder und gilt als das erste Bilderbuch und als Vorläufer der heutigen Schulbücher.

 
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John Locke 1632 - 1704

"Ein Mensch muss die Annehmlichkeiten des Lebens genießen und erhalten"  

 

1632 geboren am 29.8 in Wrington.

1652 Beginn des Studium am Christ Church College in Oxford.

1658 Magister.

1665/1667 Sekretär des englischen Gesandten am Brandenburgischen Hof. Beschäftigung mit Fragen der religiösen Toleranz.

1671 Essay über den menschlichen Verstand.

1681/83 emigriert nach Holland, wo er am Toleranzbrief und seinen Gedanken über Erziehung schreibt.

 

      Locke
 

Pädagogischer Leitgedanke.  Für Locke war die Erziehung so wichtig, dass von ihr die Wohlfahrt und das Gedeihen der Nation abhängen. Mit ihr muss ebenfalls die christliche Tugend und Frömmigkeit wiederhergestellt werden. Er betrachtet somit die Erziehung als ein entscheidendes Mittel zur Verbesserung der gesellschaftlichen Zustände, natürlich immer im Sinne der Bourgeoisie. Zweierlei muss der Erzieher in seiner Tätigkeit beachten: zum einen die Gesellschaft, zum anderen die natürlichen Anlagen des Kindes. Der Gesellschaft und ihrem Einfluss auf das Kind misst Locke somit große Bedeutung bei. Für noch wichtiger als die Umgebung aber hält er die natürlichen Anlagen.

 
Sein Erziehungsziel. Das großbürgerliche Erziehungsziel von Locke ist die Anwendung der Religion als Mittel sittlicher Erziehung.
 
Seine Methode.  Der Unterricht dient als Kenntnisvermittlung im Dienste der sittlichen Erziehung, es soll somit sich stets um erziehenden Unterricht handeln. An die Methoden des Lehrens stellt Locke folgende Ansprüche: "auf kürzeste Weise, mit Gebrauch des eigenen Verstandes, d.h. von den Dingen, nicht von Worten ausgehend, ohne Vorurteile, mit Wahrheitsliebe und unter Berücksichtigung des körperlichen Wohlbefindens". Der Unterricht soll von der Betrachtung der Dinge ausgehen, denn durch Worte sind den Kindern keine klaren Vorstellungen zu verschaffen. "Man gebe ihnen zuerst eine einfache Idee und sehe, dass sie diese recht erfassen und vollständig begreifen, bevor man irgendwie weitergeht und dann füge man irgendeine andere einfache Idee hinzu, die auf dem Wege zu dem beabsichtigten Ziele zunächst liegt, und wenn man so bedächtig und unmerklich fortschreitet, wird den Kindern ohne Verärgerung und Befremdung das Verständnis sich erschließen und ihre Gedanken sich weiter dehnen." Auch Fleiß und Übung sind notwendig, "bis die Sache zur Gewohnheit geworden und eine Leichtigkeit, sie gut zu verrichten, erlangt ist". Voraussetzung dafür ist allerdings die Aufmerksamkeit der Kinder. Diese zu gewinnen und festzuhalten ist die größte Geschicklichkeit des Lehrers. Von Vorteil ist es dabei dem Kind den Nutzen dessen, was man ihm lehrt, begreiflich zu machen. Der Lehrer soll "Milde fügen in alle seinem Unterricht und durch eine gewisse Zärtlichkeit das Kind fühlen lassen, dass er es liebt und nur sein Bestes beabsichtigt". Bei allem ist jedoch immer die Fassungskraft des Kindes zu berücksichtigen und natürlich auch die Stimmung. Die günstigste Stimmung des Kindes soll zum Lernen ausgenutzt werden, denn ein Kind lernt dreimal so viel, während es bei schlechter Stimmung die doppelte Zeit und Mühe braucht. Auch die Wissbegierde muss ausgenutzt werden. Sie ist die "höchste und wichtigste Fähigkeit unseres Geistes" und ein wertvolles "Werkzeug, womit die Natur uns versehen, um die bei der Geburt vorhandene Unwissenheit zu beseitigen". Dazu muss der Erzieher Temperament und Charakter des Kindes studieren. Auch sollen alle Fragen des Kindes ohne Spott und Irreführung seinem Alter entsprechend klar beantwortet werden. Um die Wissbegierde des Kindes zu erhalten, soll der Erzieher ihm "seltsame und neue Dinge" zeigen und es in Gegenwart anderer Personen für seine Kenntnisse loben. Der Tätigkeitsdrang äußert sich bei allen Kindern als Spiellust, welche durch Spielzeug, das die Selbsttätigkeit des Kindes anregt, ermuntert werden, aber auch in nützliche Zwecke umgeleitet werden soll.
 

Sein Einfluss.  Die praktischen Auswirkungen der pädagogischen Gedanken Locke´s in England waren zunächst sehr gering. Entsprechend dem konservativen Charakter Englands blieb das höhere Schulwesen unter Kontrolle der anglikanischen Kirche, woraus sich der Vorzug der Privaterziehung der englischen Bourgeoisie ergab. Ein Wandel zeigte sich nach 1800 unter dem Druck ökonomischer Notwendigkeit mit dem Aufkommen des Industriekapitalismus. In praktischer Hinsicht dagegen wurden die Gedanken Lockes in ganz Europa aufgegriffen, beispielsweise von A. Smith, Rousseau oder Leibnitz - besonders also von Gegnern des Absolutismus in Frankreich. Locke lebte in der revolutionären Phase der englischen Bourgeoisie in einer Zeit schärfster Klassengegensätze. Anknüpfend an pädagogischem Gedanken von Baco, Asham oder Milton war Locke wohl der erste Theoretiker der Pädagogik, der die ökonomischen und politischen Bedürfnisse und Interessen der Bourgeoisie auf dem Gebiet der Erziehung eindeutig und umfassend formuliert hat. Das Neue an Lockes Gedanken war, im Sinne der neuen Gesellschaftsordnung und der in ihr herrschenden Klasse, das festgelegte Ziel der Erziehung (bürgerliche Moral, Fähigkeiten und Kenntnisse) bedingt mit der veränderten Beziehung zu den überlieferten Unterrichtsfächern (Latein, Griechisch, Rhetorik, Logik...) und der Aufnahme neuer Fächer (Französisch, Arithmetik, Geographie, Geschichte, bürgerliches Recht, Handwerk, Buchführung) notwendig auch den Übergang zu neuen Erziehungs- und Unterrichtsgrundsätzen und -methoden (Anschaulichkeit, Fasslichkeit, Selbsttätigkeit, Nützlichkeit ...) sowie eine neue, besonders den englischen Verhältnissen entsprechende Organisationsform der Erziehung wie Privaterziehung oder Working - schools. Das großbürgerliche Erziehungsziel von Locke ist die Anwendung der Religion als Mittel sittlicher Erziehung. Heute lehnen wir einen Teil seiner Unterrichtsfächer ab für die allgemeinbildenden Schulen, die meisten seiner Grundsätze wie Anschaulichkeit oder Selbsttätigkeit sind im Dienste unserer deutschen Schulen.

 
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Jean - Jaques Rousseau 1712 - 1778

 "Die Natur will, dass Kinder Kinder sind, bevor sie zu Erwachsenen werden."
 

1712 Juni 18. Geb.

1730 beginnt er als Landstreicher, Musikant und Musiklehrer durch die Schweiz und Frankreich zu wandern.

1740 nimmt er eine Stelle als Hauslehrer in Lyon an.

1756 verlässt Rousseau Paris und zieht sich in die Abgeschiedenheit von Montmorency zurück, wo er seine romantische Erzählung "Julie ou la nouvelle Héloise" schreibt.

Auf Grund seines einflussreichen Erziehungsromans "Émile ou de l'éducation" ("Emile oder über die Erziehung", 1762) gerät Rousseau in Konflikt mit der französischen und schweizerischen Obrigkeit, woraufhin er 1762 zunächst nach Preußen flieht und schließlich Bürger des zu Preußen gehörenden Fürstentums Neuchâtel wird.

1768 heiratet Thérèse Levasseur und lässt die fünf Kinder, die aus der Beziehung hervorgegangen sind, im Waisenhaus aufziehen.

2. Juli 1778 stirbt plötzlich auf dem Gut des Marquis de Girardin (Frankreich).

      Rousseau
 
Pädagogischer Leitgedanke.  Für die Pädagogik ist Rousseau aus zwei Gründen von Bedeutung: 1. Er fordert die Anerkennung der Kindheit als eigenständiger Lebensphase. 2. Er schafft den professionellen Erzieher, der sich methodischer Kenntnisse bedient Abgrenzung des Kindes vom Erwachsenen und, damit verbunden, die Anerkennung der Kindheit als selbständige und eigenwertige Entwicklungsstufe. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer bewussten Wahrnehmung der kindlichen Besonderheit, jener Besonderheit, die das Kind vom Erwachsenen, selbst dem jungen Erwachsenen, kategorial unterscheidet.
 
Sein Erziehungsziel. Der Erzieher, wie Rousseau ihn beschreibt, nimmt sich selbst weitestgehend zurück und beschränkt sein pädagogisches Handeln auf das Arrangieren natürlicher Lernprozesse, die ihren Ausgang in der Natur des Zöglings nehmen.
 
Seine Methode. In verschiedenen Passagen des Emile zeigen sich Rousseaus hohe Erwartungen an die Qualitäten des Erziehers: Ein guter Erzieher müsste eigens für seinen Schüler erzogen worden sein. Er geht methodisch vor, indem er sein Handeln an der jedem Kinde eigentümlichen Geisteslage, die man richtig erkennen muss ausrichtet. Die individuellen Voraussetzungen muss der Erzieher durch Beobachtung ermitteln. Rousseau vergleicht dies mit dem Vorgehen eines Mediziners: „Ein kluger Arzt verschreibt seine Medizin nicht gedankenlos auf den ersten Blick, sondern studiert zuerst die Konstitution des Kranken.
 

Sein Einfluss. Rousseau darf wohl als einer der Begründer einer systematischen Betrachtung des erzieherischen Verhältnisses betrachtet werden. Mit seiner auf Erzieher und Zögling reduzierten Darstellung im „Emile“ hat er das pädagogische Verhältnis gerade in dieser Übersteigerung als sinnvolles methodisches Prinzip radikal herausgehoben“. Rousseau wird zum Begründer einer professionellen Erziehung.

 
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Johann Heinrich Petalozzi 1746 - 1827

 "Glaube an dich selbst, Mensch, glaube an den inneren Sinn deines Wesens."
 

1746 Januar 12. Geburt in Zürich.

1753 Besuch der Lateinschule, des Collegium Humanitatis und des Collegium Carolinum.

1773/74 Gründung eines heimindustriellen Betriebs mit armen Kindern.

1800 Lehrer in Burgdorf und Gründung eines Erziehungsinstituts.

1806/09 Herausgabe der "Wochenschrift für Menschenbildung" und des "Journals für die Erziehung" 1818 Gründung einer Armenanstalt in Clindy.

1827 Februar 17. Pestalozzi stirbt in Brugg (Kanton Aargau/Schweiz).

      Pesta
 
Pädagogischer Leitgedanke. Nach Pestalozzis Überzeugung liegen die Voraussetzungen zu einer sittlichen Lebensgestaltung in der Natur des Menschen. Jedem Kinde sind – in vorerst noch unentwickeltem Zustand – Kräfte und Anlagen mitgegeben. Diese lassen sich entfalten, ja sie drängen auf der Grundlage eines immanenten Triebs, der "Strebkraft", zur Entfaltung. Dabei ist von ausschlaggebender Bedeutung, ob sie sich in den Dienst der Selbstsucht stellen oder aber einer sittlichen Lebensgestaltung dienen. Auch zu dieser sind nämlich dem Kinde natürlicherweise Kräfte und Anlagen mitgegeben. Sie lassen es seinen Egoismus überwinden und sich dem Du zuwenden. Pestalozzi nennt diesen natürlichen sozialen Trieb "Wohlwollen". Aus ihm entfalten sich allmählich – sofern die Erziehung gut ist – die sittlichen Grundgefühle der Liebe, des Vertrauens und der Dankbarkeit, worauf alle weiteren sittlich-religiösen Kräfte beruhen. Neben diesen "Herzenskräften" gilt es, auch die intellektuellen (geistigen) und die handwerklichen Kräfte zu entfalten. Aber es ist zu beachten: Herz, Kopf und Hand entwickeln sich nach je eigenen Gesetzmäßigkeiten.
 
Sein Erziehungsziel. Harmonie der Kräfte. Eine Naturgemäße Entwicklung von Kräften und Anlagen. Es geht um die Erziehung und Bildung in der Liebe, durch die Liebe, zur Liebe.
Seine Methode.  Aufgabe des Erziehers ist es, diese Gesetzmäßigkeiten kennenzulernen und sich ihnen zu unterwerfen. Alle erzieherischen Einflüsse müssen sich unter allen Umständen der menschlichen Natur unterordnen. "Naturgemäßeste" ist somit die oberste Forderung Pestalozzis an die Erziehung. Nur sie ist "bildend", und jeder nicht naturgemäße Einfluss auf den Menschen ist "verbildend". Liebe ist das einzige, das "ewige Fundament der Bildung unserer Natur zur Menschlichkeit." Den Schwerpunkt der Erziehung legte Pestalozzi auf die Ausbildung von sozialen Fähigkeiten. Recht von Unrecht unterscheiden zu können, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, dies waren und sind Hauptmerkmale der Pestalozzi-Pädagogik. Daneben wollte er seine Schüler in die Lage versetzen, ihr Leben zu meistern. Dazu dient ein ganzheitlicher Unterricht, der sowohl den Kopf ("das Geistige"), das Herz ("das Sittliche") als auch die Hand ("das Werktätige") anspricht. Die spezielle Förderung einzelner Schüler gehört ebenfalls zum Konzept.
 

Einfluss. Ohne Johann Heinrich Pestalozzi wäre die Pädagogik, wie wir sie heute kennen, nicht denkbar. Er war der Schöpfer der modernen Volksschule. Der Schweizer Pädagoge propagierte – ganz im Sinne der Aufklärung – die Idee der Bildung für alle, auch für Kinder aus den armen Schichten. Erstmals zeigte er Wege auf, wie Kinder verschiedenen Geschlechts sowie unterschiedlicher sozialer, religiöser und nationaler Herkunft gemeinsam erzogen werden konnten. Damit sollte jeder seiner Rolle als am Staatswesen tätig mitwirkender Bürger gerecht werden können. Auch in der Gegenwart gewinnen diese so genannten sozialen Kompetenzen wieder verstärkt an Bedeutung. “Emotionale Intelligenz” etwa zählt heute zu den Schlüsselqualifikationen der Berufswelt des 21. Jahrhunderts.

 
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Wilhelm von Humboldt 1767 - 1835l

 "Im Grunde sind es die Verbindungen der Menschen, die dem Leben einen Wert geben."
 

1767 22. Juni: in Potsdam geboren.

1787 Er studiert mit seinem Bruder Alexander Jura an der Universität Frankfurt/Oder.

1809/10 Er bereitet die Gründung der Universität Berlin vor. Sie ist die Umsetzung seines Ideals der Freiheit und Einheit von Forschung und Lehre und des Lernens zur Selbstverwirklichung. Er reformiert das Gymnasium als Brücke zwischen Elementarschule und Universität. Hierbei führt er das Schuljahr, den Wochenstundenplan, die Versetzungsvorschriften und die Schulverwaltungsgliederung ein. Er setzt fest, dass das Abitur nicht vor dem Ende des 18. Lebensjahrs abgelegt werden darf.

1835 April 8.: Wilhelm von Humboldt stirbt in Tegel.

      Humboldt
 
Pädagogischer Leitgedanke. Wilhelm wurde im Dezember 1808 gegen seinen Willen zum Chef des Erziehungswesens in Preußen berufen, und obwohl er dieses Amt nur 16 Monate bekleidete, schuf er die Grundlagen für ein Erziehungssystem, das die Bildung in Preußen revolutionierte und bis weit in das letzte Jahrhundert hinein in der gesamten Welt einen legendären Ruf genoss. Er begriff den Menschen in seiner Totalität. Anstelle von bloßer Wissensvermittlung ging es Humboldt um Bildung, anstelle von konkret abrufbaren Leistungen um die Formung der gesamten Persönlichkeit. Bildung definiert Wilhelm als "durchgängige Wechselwirkung des theoretischen Verstandes und des praktischen Willens". Wissen lässt sich notfalls auch mit dem Stock einbläuen, Bildung hingegen muss der Schüler in einem subjektiven Prozess selbst hervorbringen. Dazu müssen alle Kräfte des Menschen geschult werden, nicht allein der Verstand. Wir sollen zu schönen, menschlichen Individuen werden, und dazu müssen alle Anlagen, die wir mitbringen, gleichmäßig entwickelt werden.
 
Sein Erziehungsziel. Lernen heißt, Ich und Welt miteinander zu verknüpfen oder, wie Wilhelm sagt, "einander ähnlicher zu machen". Dabei geht es ihm um den Prozess wachsender Einsichten und tieferen Begreifens und nicht um die konkret abfragbaren Resultate im Unterricht. Jede erworbene Kenntnis dient wiederum als Grundlage, um weitere Einsichten zu erwerben. Der Endzweck der Erziehung ist, "das einzelne Bestreben zu einem Ganzen [zu machen] und gerade zu der Einsicht des edelsten Zwecks, der höchsten, proportionierlichsten Ausbildung des Menschen zu vereinen".
 

Seine Methode.  Wilhelm nennt vier Grundkräfte, die den Menschen bestimmen: Verstand, Gefühl, Anschauung und Einbildungskraft. Im Mittelpunkt seines Bemühens steht die Entwicklung des Denkens. Dabei ist Denken kein objektiver Prozess, es ist auf das Engste mit dem Gefühl verknüpft. Deshalb müssen neben dem Verstand die übrigen Kräfte im Unterricht in gleicher Weise herausgefordert werden. Jeder Unterrichtsgegenstand muss zugleich den Verstand entwickeln, die Anschauung und das Gefühl vertiefen und die Einbildungskraft erregen. Durch die Anschauung nehmen wir Sinneseindrücke der äußeren Welt auf, die, mithilfe der Einbildungskraft mit vergangenen Wahrnehmungen verknüpft, zu neuen Bildern unserer Seele werden. Lernen heißt nicht Pauken, sondern bezeichnet eine komplexe Wechselwirkung der menschlichen Grundkräfte. "Alles geistige Leben besteht im Ansichreißen der Welt, Umgestalten zur Idee und Verwirklichung der Idee in derselben Welt, der ihr Stoff angehört", sagt Humboldt. Nur wenn wir den Stoff vertilgt, uns regelrecht einverleibt haben, können wir ihn nicht nur jederzeit wieder abrufen, sondern er gehört uns, ist unser geistiges Eigentum geworden, mit dem wir nun wuchern können. Missverhältnisse der Grundkräfte müssen zu Unvollkommenheiten führen. Wird der Verstand zulasten des Gemüts einseitig geübt, erziehen wir Brotgelehrte und Fachidioten; wird der Verstand zugunsten des Gefühls vernachlässigt, kommen in der Regel verschrobene Exzentriker heraus. Das ist der Unterschied zwischen Wissen und Bildung.

 

Sein Einfluss.  Humboldt war ein deutscher Gelehrter und Mitbegründer der Universität Berlin, der den Anspruch auf Allgemeinbildung forderte. Unter dem Humboldtschen Bildungsideal versteht man die ganzheitliche künstlerische Ausbildung in Verbindung mit der jeweiligen Studienrichtung. An der Universität sollen autonome Individuen und Weltbürger hervorgebracht werden bzw. sich selber hervorbringen. Außerdem legte Humboldt die „akademische Freiheit“ erstmals schriftlich fest. Das bedeutet die äußere Unabhängigkeit der Universität, die sich staatlichen Einflüssen entzieht. Noch heute beschreibt der Begriff des "humboldtschen Bildungsideals" die Idee der "Einheit von Forschung und Lehre" an den Universitäten.

 
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Johann Friedrich Herbart 1776 - 1841

 "Langweilig zu sein, ist die ärgste Sünde die Langeweile."
 

1776 Johann Friedrich Herbart wird in Oldenburg geboren.

1794 geht an die Universität Jena und studiert Philosophie und Literatur.

1803 Vorlesung über Pädagogik und praktische Philosophie.

1806 Veröffentlichung: "Allgemeine Pädagogik, aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet", "Hauptpunkte der Metaphysik", "Hauptpunkte der Logik".

1809 Berufung Herbarts nach Königsberg auf den ehemaligen Lehrstuhl Kants.

1831 Die "Kurze Encyklopädie der Philosophie aus praktischen Gesichtspunkten" erscheint für wissenschaftlich interessierte Pädagogen.

1841 Die zweite, vermehrte Auflage des "Umriss pädagogischer Vorlesungen" erscheint als eine Abrundung seiner "Allgemeinen Pädagogik".

1841 Herbart erliegt am 14. August einem Schlaganfall.

      Herbart
 
Pädagogischer Leitgedanke. Johann Friedrich HERBART hat seine grundlegenden und systematischen Überlegungen zur Allgemeinen Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet. Darin stellt er Erziehung und Unterricht als Einheit, als sich wechselseitig bedingende und beeinflussende Bereiche der Pädagogik vor. Verknüpft sind diese Bereiche darüber hinaus mit der Philosophie und der Psychologie, die für den erziehenden Unterricht Perspektiven und Anhaltspunkte bieten. Dem Herbartianismus lagen zwei wesentliche Ideen zugrunde: Die Formalstufentheorie und die Idee des pädagogischen Lehrplans.
 
Sein Erziehungsziel. Herbart ist sich sicher, dass es nicht vorherbestimmt ist, was aus dem Menschen werden kann. Er sieht also ein großes Wirkungsfeld für den Erzieher, um das Werden des Geistes eines Schülers zu formen. So liegt es in der Hand des Erziehers, den Geist des Schülers so zu formen, dass man von einer erfolgreichen Erziehung in Herberts Sinne reden kann. Auch ist Herbart der Meinung, dass das Prinzip der Bildung noch nicht im Menschen eingepflanzt ist. Der Mensch muss die konkrete, faktische Bestimmtheit seiner selbst erst finden. Der Mensch ist also bloß dass, was er wird, nicht dass, was er schon war.
 

Seine Methode. Die Formalstufentheorie beschreibt zwei Bereiche: die Vertiefung und die Besinnung. Die Phase der Vertiefung umfasst sowohl die Stufe der Klarheit, in der neue Inhalte vertieft und verstanden werden, nachdem der Lehrer kurze Erläuterungen zu einem Thema gegeben hat, als auch die Stufe der Assoziation, in der neue noch isolierte Vorstellungen miteinander in Verbindung gebracht werden sollen. Dies geschieht im freien Gespräch. In der Phase der Besinnung wird neu Aufgenommenes mit vorhandenem Wissen verschmolzen. Dies geschieht etwa, indem der Lehrer einen Vortrag hält. Ebenso zur Phase der Besinnung gehört die Stufe der Methode, in der die Schüler sich in selbstständiger Arbeit auf die Anwendung des Gelernten besinnen sollen. Herbart sieht den Unterricht jedoch nicht als ein 'Hervorbringen', sondern als einen 'Vermittlungsprozess' an. Der Unterricht soll also nicht nur eine fachliche Unterweisung eines Wissensgebietes sein, sondern es wird vor allem die Ausbildung des Gedankenkreises angestrebt. Der Schüler soll die 'geistige Tätigkeit' erlernen. Herbart meint mit diesem Ausdruck, dass der Schüler lernen soll selbständig zu denken und auch weiterzudenken und niemals eine Grenze hinzunehmen, sondern immer zu versuchen noch weiter zu denken um noch mehr zu erfahren und um neue Ebenen des Denkens zu erreichen. Jedoch gelangt kein Wissen selbständig zum Menschen. Deshalb bedarf es einer vermittelnden Tätigkeit, die der Lehrer dem Schüler gegenüber auszuüben hat. Folglich darf die Erziehung eines Kindes nur hauptsächlich von dem Erzieher bzw. Lehrer ausgeführt werden. Die Eltern scheinen in der schulischen Erziehung ihrer eigenen Kinder nur eine Nebenrolle zu spielen. Es ist ihrer Aufgabe, die Kinder soweit wie möglich auf die Schule vorzubereiten. Dies sind zumindest nach Herbart die optimalen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Erziehung.

 

Sein Einfluss. Der Herbartianismus, der Name dieses pädagogischen Systems, übte besonders in den Vereinigten Staaten einen mächtigen Einfluss auf die Lehrpraktiken des späten 19. Jahrhunderts aus. In seiner weitverbreitetsten Form schloss dieses System fünf formale Lehrstufen ein: Vorbereitung, Präsentation, Umgang, Verallgemeinerung und Anwendung. Als wichtigster Verdienst der Herbartianer gilt die Etablierung des Fachgebiets "Pädagogik" an den Universitäten. Erstmals wurden mit dem Herbartianismus auch Funktion und Aufgabenstellung der Lehrer klar beschrieben und gelehrt. Auf die Herbartianer geht auch die Praxis der Schulreisen zurück.

 
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Friedrich Fröbel 1782 - 1852

 "Spiel ist nicht Spielerei."
 

1782 21. April: Geburt in Oberweißbach/Thüringen.

1799 Oktober - Frühjahr: Studium der Naturwissenschaften in Jena.

1805 Lehrer an Pestalozzi-Musterschule in Frankfurt a. M. Herbst: Erster Aufenthalt bei Pestalozzi in Iferten (Yverdon).

1816 13. Nov. Gründung der Allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt Griesheim/Thür.

1826 Die Menschenerziehung. Die Erziehenden Familien (Wochenschrift).

1835 Leitung des Waisenhauses (und Elementarschule) in Burgdorf.

1840 28.Juni: Gutenbergfest, zugleich Stiftung des Allgemeinen Deutschen Kindergartens. Entwurf eines Planes zur Begründung und Ausführung eines Kindergartens.

1852 21. Juni: Tod in Marienthal.

      Frbel
 
Pädagogischer Leitgedanke. Friedrich Fröbel ist Begründer der Spielpädagogik und Erfinder des Kindergartens (1840). Er war und bleibt ein genialer Pädagoge, der sein eigenes philosophisch-anthropologisches Menschen- und Weltbild auf der Grundlage christlich-abendländischer Kultur entwickelt hat.
 
Sein Erziehungsziel. Das Erziehungskonzept - damals wie heute - weltweit erfolgreich umsetzbar: Es hat "freie, denkende, selbsttätige Menschen" als Erziehungsziel. Es versteht jeden Menschen in jeder Lebensphase und Verfasstheit als eigenständige "Einheit" (Individuum) im Rahmen der Vielfalt, die letztendlich wiederum auf eine absolute Einheit bezogen ist. Alles ist mit allem verknüpft, das "Entgegengesetztgleiche" im Ganzen geeint als ein dialektisch-ökologisches System... Es bietet zeitlose, Kultur- und Umfeld-unabhängige "begreifbare" Mittel und Methoden, ohne die jeweilige Lebenssituation zu vernachlässigen.Es bezieht Kinder und Eltern, Öffentlichkeit und das aktuelle Umfeld mit ein. Es verlangt eine Persönlichkeits-, Sozial- und Sachkompetenz-zentrierte Ausbildung der Erziehenden
 

Seine Methode. Allgemein gilt, das Kind muss die Möglichkeit haben, sich etwas anzuschauen, es nachzuahmen und die dadurch entstandenen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Erfahrungen müssen erlebt und besprochen werden, damit sie einen nachhaltigen Eindruck auf das Kind machen können. Der konkrete Handlungsvollzug ist sehr wichtig, denn nur aus ihm erkennt man die Fähigkeiten des Kindes. Fröbel entwickelte eine Spieltheorie, auf deren Grundlage er Spiel- und Beschäftigungsmittel erfand. Zum Beispiel entwickelte er Spielmaterialien, wie dreidimensionale Formen: Kugel, Zylinder und Würfel, mit denen den Kindern geometrische Grundformen nahe gebracht werden können. Durch Basteltechniken mit Papier, Erstellen von Ornamenten oder mit der Fröbelschen Fadenspanntechnik wird die Geschicklichkeit, Konzentration und Phantasie gefördert. Durch das Singen von Liedern, soll das Kind langsam an die Welt der Erwachsenen herangeführt werden. Fröbel-Kindergärten haben den Auftrag, das Kind beim Bemühen die Welt zu erfahren und zu begreifen, zu unterstützen. Die Verantwortung der Eltern ist ein zentraler Bestandteil eines Fröbel-Kindergartens, denn ohne teilnehmende Erwachsene sind Angebote für das Kind nicht optimal nutzbar. Die elterliche Erziehung soll mit Hilfe des Fröbel-Kindergartens ergänzt werden. Eine möglichst gleichmäßige Vorbereitung auf die Schule ist eine weitere Aufgabe dieser Pädagogik. Die Erzieherinnen in einem Fröbel-Kindergarten verstehen sich als Vermittler und Partner und sollen mit Hinweisen und Erläuterungen dem Kind helfen, die Welt besser zu verstehen. Die Kindergartenpädagogik Fröbels umfasst drei Tätigkeitsbereiche: 1. Der Tätigkeitsbereich Spiel- und Beschäftigungsmittel, im Zentrum der Fröbel Pädagogik steht das Spielen, welches für die Kinder eine typische Lern- und Lebensform ist. 2. Der Tätigkeitsbereich des Bewegungsspiels wie Laufspiele, Tanzen, Kreisspiele und Darstellungsspiele. 3. Der Tätigkeitsbereich der Gartenarbeit, bei der das Kind durch das Wachsen der Pflanzen die eigene Entwicklung nachvollziehen und den Umgang mit Pflanzen erlernen kann.

 

Sein Einfluss. Auf der Basis exakter und differenzierter Beobachtung sowie intuitiven Erkennens, denkerischer Leistung und sinnorientierter Tätigkeit hat Fröbel vieles in sein ganzheitliches Konzept gefasst, was erst heute Erziehungswissenschaft und Psychologie mit wissenschaftlichen Methoden nachzuweisen begonnen haben.

 
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Johann Heinrich Wichern 1808 - 1881

 "Freie Kinder in einer Freien Familie."
 

1808. April 21. Johann Hinrich Wichern wird in Hamburg geboren.

1828-1832 Studium der Theologie in Berlin und Göttingen.

1832 wird Oberlehrer an einer Sonntagsschule im Hamburger Stadtteil Sankt Georg. Er entschließt sich, ein "Rettungskrankenhaus" zu errichten.

1833 Gründung des "Rauhen Hauses" ein so genanntes Rettungshaus für gefährdete Jugendliche. Es ist die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Wicherns Konzept verbindet gesellschaftliche Sozialfürsorge mit einer "Erneuerung" des individuellen Glaubens. Geprägt durch die Erweckungsbewegung sieht er die Armut der Kinder als Folge von deren Sündhaftigkeit an. Um diese zu überwinden, legt er besonderen Wert auf die geistige und religiöse Erziehung der Kinder.

1839 Errichtung des "Brüderhauses", einer sozialpädagogisch- eligiöse Ausbildungsstätte der Diakonie.

1881. April 7.: Wichern stirbt.

      Wiechern
 
Pädagogischer Leitgedanke. Er hat nicht nur das Rauhe Haus in Hamburg gegründet, sondern gilt auch als bedeutender Kirchenrefomer des 19. Jahrhunderts, Begründer der Diakonie und des Konzeptes der Inneren Mission
 
Sein Erziehungsziel: "Retten wollen" als innerer Antrieb“.
 

Seine Methode. Seine frühen Begegnungen mit christlichen Erweckungsbewegungen - konservativen protestantischen Strömungen, die sich gegen einen aufklärerischen Rationalismus wendeten - prägten ihn zeit seines Lebens. Aber auch die Unfähigkeit der Kirche und des Staates, auf die Armut und die katastrophalen Zustände in Deutschland zu reagieren, können seine Unternehmungen erklären. Er wollte eben nicht disziplinieren und korrigieren, sondern Lebensraum für Kinder schaffen, in dem sie zu guten Bürgern und Christen heranwachsen können. Das Rauhe Haus war kein Arbeits- oder Waisenhaus, sondern eine Einrichtung, in der die "Zöglinge" in familienähnlichen Verhältnissen aufwachsen sollten. Unterwiesen wurden sie dabei von den "Brüdern" - von Wichern ausgebildete Männer, zumeist Handwerker -, die mit ihnen zusammenlebten. Beeinflusst war diese Pädagogik von Pestalozzis Prinzip einer ganzheitlich orientierten Lebenserziehung. Die Einrichtung hatte von Anfang an großen Zulauf und entwickelte sich auch über die Grenzen Hamburgs hinaus zu einem Vorbild moderner Jugendfürsorge.

 

Sein Einfluss. Aus seiner einfachen Motivation sind bis heute bedeutsame Institutionen und Bewegungen entstanden. Seine Einrichtung hatte von Anfang an großen Zulauf und entwickelte sich auch über die Grenzen Hamburgs hinaus zu einem Vorbild moderner Jugendfürsorge.

 
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Karl Wilhelm Eduard Mager 1810 - 1858

 "Es gibt keine Paria und soll keine geben."
  

1810 Januar 1. in Gräfrath bei Solingen als Sohn eines Schneiders geboren.

1827 Besuch der Volksschule in Gräfrath und des Gymnasiums in Düsseldorf, Abitur.

1828-1834 Studium der Naturwissenschaften, der Philosophie und der Literatur- und Sprachwissenschaft.

1838-1841 Privatgelehrter und freier Autor in Stuttgart.

1839 Ernennung zum Educationsrat durch Fürst Günther Friedrich Carl II.

1844-1948 freier Schriftsteller in Zürich.

1858 Juni 10. in Wiesbaden gestorben.

      Mayer
 
Pädagogischer Leitgedanke. Karl Mager führte den Terminus „Social-Pädagogik“ in dieser besonderen Schreibweise – 1844 im achten Band der von ihm herausgegeben und europaweit verbreiteten Fachzeitschrift "Pädagogische Revue", in die Wissenschaft ein. Die Textstelle lautet: "Es ist gewiss, dass die neuere Pädagogik seit Locke, Rousseau, den Philanthropinisten, Pestalozzi, Herbart, Benecke u. A. den Fehler hat, nur Individualpädagogik zu sein, und darum habe ich mehrmals darauf hingewiesen, dass jetzt die Wissenschaft weiter gefasst, dass sie durch die Staats- oder Collektivpädagogik vervollständigt, auch der Gesichtspunkt des Platon und Aristoteles wieder genommen werden muss – freilich so, dass man sich in dieser Social-Pädagogik über die Ideen der Alten erhebt ...."
 
Sein Erziehungsziel. Mittels Sozialpädagogik sollen alle Menschen zu Bürgerinnen und Bürgern gebildet werden, die an ihrer bürgerlichen Gesellschaft aktiv und engagiert teilnehmen. Dies legt und darin liegt ein Fundament für ein republikanisches und demokratisches Gemeinwesen.
 
 Seine Methode. Sein pädagogisches Schaffen galt vorwiegend anderen, wenn auch teils verwandten Gebieten: der Sprach- und Literaturwissenschaft, der Unterrichtsmethodik und genetischen Methode, schließlich der Wissenschaft von der Schule (Scholastik), hier besonders der Bürgerschule, der Schulpolitik und dem Kampf für ein staatsfreies Schulwesen usw.
 

Sein Einfluss. Mager hat – so darf etwas euphorisch gesagt werden – der Sozialpädagogik bis heute ein herausforderndes Programm geschrieben. Mager gilt als ein Hauptvertreter der Bürgerschulen – vor allem mit seiner Schrift: "Die deutsche Bürgerschule" (1840) –, mithin als ein Begründer des Realschulwesens.

 
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Lew Tolstoj - 1828 - 1910

 
  

1828 9. September in Jásnaja Poljána bei Tula geboren, mit neun Jahren wird er Vollwaise.

1844 in der Universität Kasánj studiert er zuerst Sprachen, dann Jura. Bricht er sein Studium ab und versucht auf dem geerbten Gut, die Lage der Leibeigenen zu verbessern.

1857-1861 Aus pädagogischem Interesse bereist Lew Tolstoi Westeuropa. Er besuchte die sozialkritischen Schriftsteller Charles Dickens und Iwan Turgenew und die Pädagogen Friedrich Fröbel und Adolph Diesterweg. Nach seiner Rückkehr nach Russland verstärkt er die reformpädagogischen Bestrebungen und richtet Dorfschulen nach dem Vorbild des Philosophen und Pädagogen Jean-Jacques Rousseau ein. Auch nach der Schließung seiner Schule durch die zaristische Verwaltung verfolgt Leo Tolstoi seine pädagogischen Ziele weiter. Er verfasst Lesebücher, um den Schülern moralische und soziale Werte zu vermitteln.

1880-1881 wendet sich zunehmend religiösen Fragen zu. Er übersetzt die Evangelien ins Russische.

1901 wird für den ersten Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen, lehnt jedoch ab.

1910 Am 7. November stirbt Lew Tolstoi.

      Tolstoi
   
Pädagogischer Leitgedanke. Als der Dichterphilosoph 1910 starb, hinterließ er nicht nur ein weltbewegendes dichterisches Werk, sondern auch eine Sozialethik und Pädagogik, die ihn weit über die Grenzen Russlands hinaus bekannt machte. Tolstoi, dessen Wirken zeitlebens von einer freiheitlichen Gesinnung durchdrungen war, drückte diese Haltung erstmals als Erzieher und Pädagoge aus. Er wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zum Begründer einer pädagogischen Reformbewegung, die weit über Rußland hinaus wirkte und die wir heute als eine libertäre Reformpädagogik beschreiben können. Bereits mit 21 Jahren, 1849, richtete er erstmals auf seinem Familienerbe "Jasnaja Poljana" (Lichte Wiese) eine Bauernschule für seine Leibeigenen ein. Im Jahre 1859 gründete er - nach einigen Jahren freiwilliger Militärdienstzeit, während derer er auch am Krim-Krieg (1853-1856) teilnahm - erneut auf seinem Bauerngut eine Bauernschule, die bis 1862 von ihm geleitet wurde Dieser Zeitraum von 1859 bis 1863 gilt heute als die Phase seiner intensivsten Beschäftigung mit pädagogischen Fragen. Neben dieser Schule, die als ein klassisches Beispiel einer antiautoritären Schule libertärer Prägung gilt, gab er auch eine eigene pädagogische Zeitschrift heraus, die von 1862 bis 1863 in zwölf Ausgaben erschien. Sie diente der Verbreitung seiner Erziehungs- und Bildungskonzeption und sollte in Rußland eine Reformdiskussion innerhalb der Pädagogik motivieren. In ihr erschienen u.a. die zentralen pädagogischen Aufsätze Tolstois aus dieser Zeit, die später von seinem Freund und Biographen Raphael Löwenfels 1907 ins Deutsche übersetzt und zu seinen Pädagogischen Schriften in zwei Bänden zusammengefasst wurden. Er verbindet seine Pädagogik mit einer Gesellschaftskritik. Am 3. Oktober 1862 schrieb der russische Innenminister an das Unterrichtsministerium: "Die sorgfältige Prüfung der pädagogischen Zeitschrift 'Jasnaja Poljana’, welche Graf Tolstoi herausgibt, führt uns zu dem Schlusse, dass diese Zeitschrift durch ihre Propaganda für neue Lehrmethoden und Volksschulgründungen häufig Ideen verbreitet, die nicht nur unrichtig, sondern auch schädlich sind.  
   
Sein Erziehungsziel. Die einzige Grundlage der Erziehung ist die Erfahrung und ihr einziges Kriterium die Freiheit. Erst wenn die Erfahrung zur Grundlage der Schule gemacht wird, wenn die Schule sozusagen ein pädagogisches Laboratorium geworden ist, dann wird die Schule nicht hinter dem allgemeinen Fortschritt zurückbleiben und dann wird auch die Beobachtung im Stande sein, feste Grundlagen für die Wissenschaft der Erziehung zu schaffen.  
   

Seine Methode. Tolstoi unterschied zu diesem Zeitpunkt ausdrücklich zwischen Erziehung als Anwendung von Zwang und Bildung als eine freiwillige und freiheitliche Begegnung zwischen Lehrer und Schüler. Im Sommer 1859 verkündete Tolstoi in "seinem Dorf" die Nachricht von der Eröffnung einer freiwilligen und kostenlosen Schule auf seinem Anwesen. Obwohl Tolstoi jeglichen Zwang abschaffen wollte, weder Klassenarbeiten, Noten noch Hausaufgaben verteilte, entstanden Situationen, die aus der Sicht Tolstois zu Fehlhandlungen seinerseits führten und falsche, d. h. folgenschwere Reaktionen provozierten. Ein "Störfall" wird vor der gesamten Klasse thematisiert; Tolstoi entscheidet nicht alleine, er wird nicht zum Herren über Lob und Strafe. Andererseits werden Fehlentscheidungen, die sich später als solche auch herausstellen, zu einem Beispiel für soziales Lernen.

Bildung wird für Tolstoi zu einem gemeinsamen Erlebnis, zu einem Stück Leben mit dem Ziel, es erfahrbarer und begreifbarer zu machen. Die traditionelle Lehrerrolle verliert in Jasnaja Poljana an Dominanz, bilden und lehren kann nur der, der vom Lernenden akzeptiert wird. Die Lehrerrolle muss sozusagen delegiert, von den Betroffenen zugeschrieben werden.

Ein zentrales Bildungsmittel für Tolstoi ist das Gespräch, nicht die Belehrung oder Unterweisung, nicht der didaktisch aufgearbeitete Stoff. Bei ihm wird Bildung zum Dialog. Diese Bildungsgespräche fanden statt beim Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Reisen und Wandern, aber auch im Unterricht selbst, wenn es um Rechnen, Schreiben usw. ging. Sie waren scheinbar zufällig, knüpften an spontane und momentane Stimmungen der SchülerInnen an, wurden von Tolstoi aufgegriffen.

 
   

Sein Einfluss. Für eine Geschichte der Alternativpädagogik ist bezüglich Tolstoi festzuhalten, dass es ihm nicht nur um die Trennung von Bildung und Erziehung geht. Es ist vor allem der Zusammenhang von Bildung, Freiheit und Erfahrung, den er als eine Einheit versteht. Tolstoi wird damit zum Mentor einer libertären Alternativschulbewegung, dessen Spuren wir bis in die Gegenwart hinein verfolgen können, z.B. mit der "First Street School" von George Dennison in New York 1964/65. Er propagierte eine freie Schulordnung, die zum Maßstab für ein freiheitliches Lernen in Institutionen wurde und versuchte, drei Leitideen miteinander zu verbinden: Bildung statt Erziehung; Freiheit statt Zwang; Erfahrung statt Dogma.

 
   
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Ellen Key 1849 - 1926

 "Selbst wie ein Kind zu werden, ist die erste Voraussetzung, um Kinder zu erziehen."
  

1849 in Schweden geboren.

1883/1903 Dozentin am Arbeiterinstitut in Stockholm.

1900 individualpädagogische und sozialreformerische Studie "Barnets Århundrade" ("Das Jahrhundert des Kindes").

1902 Als Verfasserin von insgesamt 44 Werken und 149 Zeitschriftenartikeln zu Fragen der Kindererziehung und Frauenbewegung wird Key besonders um die Jahrhundertwende zu einer der meistgelesenen Schriftstellerinnen und zur geschätzten Volksaufklärerin.

1914 In ihrer Schrift "The Renaissance of the Motherhood" fordert sie die vollständige gesellschaftliche Anerkennung der Erziehungsarbeit und die vollkommene ökonomische und und soziale Absicherung der erziehenden Mutter.

1926 April 25. stirbt in Tollstad (Schweden).

      Key
 
Pädagogischer Leitgedanke. Ruhig und langsam die Natur sich selbst helfen lassen und nur sehen, dass die umgebenden Verhältnisse die Arbeit der Natur unterstützen, das ist Erziehung. Der Grundsatz des Wachsenlassens ist nur dann sinnvoll, wenn man dem Kind eine Kraft zubilligt, die zur Entfaltung drängt. Nicht gemeint ist damit eine Passivität des Erziehers, sonders ein aktives Eingreifen in das Erziehungsgeschehen, ein konstruktives Wirken. Das Kind mit Baumaterial für seine Persönlichkeit versehen, es aber dann selbst bauen zu lassen, das ist die Kunst der Erziehung!
 
Ihre Methode. Modell von der Schule der Zukunft (in Auszügen dargelegt): eine wirkliche Gesamtschule, wo die Kinder der einen wie der anderen Gesellschaftsklasse das gegenseitige Vertrauen, die gegenseitige Achtung, das gegenseitige Verständnis lernen, Senkung der Klassenstärke auf ca. 12 Schüler, Abbau der Stofffülle, Unterrichtsfächer müssen konzentriert dargeboten werden, Methodenpluralismus an Stelle von Abfragetechnik, Ein differenzierter Unterricht hat „wahlfreies Selbststudium" zu ermöglichen, Abschaffung der traditionellen Hausaufgaben, stattdessen freies Literaturstudium, frühe Spezialisierung da, wo ausgeprägte individuelle Anlagen vorhanden sind, Konzentration auf gewisse Gegenstände zu gewissen Zeitpunkten, selbständiges Arbeiten während der ganzen Schulzeit, Wirklichkeitsberührung während aller Schulstadien.
 

Ihr Einfluss. Die breite Bewegung der Reformpädagogik der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts erhält von ihrem Werk wichtige Anstöße. Zahlreiche Schul- und Bildungspolitische Vorschläge Keys wie der Verzicht auf die führende Rolle des Lehrers im Unterricht und auf zuvor geplante Unterrichtsergebnisse werden in der Folgezeit umgesetzt.

 
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Georg Kerschensteiner 1854 - 1932

 "Das höchste Gut findet sich in einer Gesellschaft, in der jedem gewährt wird, was für ihn sittlich gut ist."
  

1854 Juli 29. in München geboren.

Mit 12 Jahren Lehrerausbildung.

Mit 16 Jahren Junglehrer auf dem Dorfe.

1880 Promotion in Naturwissenschaft und Mathematik.

Wendet als Lehrer unkonventionelle Unterrichtsmethoden an wie: Wanderung, Schulgarten etc.

1895 Stadtschulrat von München.

1911 Versuch der Reformierung der Volksschule.

1918 Ernennung zum Honorarprofessor der Uni München.

Entstehung de Schriften "Die Seele des Erziehers", "Autorität und Freiheit als Bildungsgrundsätze".

1932 Januar 15. Tod.

      Kerschensteiner
 

Pädagogischer Leitgedanke. Sein Ziel war es, dass die Schüler die Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie für ihren Beruf kennen mussten nicht durch stures Auswendiglernen sondern durch praktisches Tun erwarben. Jeder Auszubildende sollte seine Handlungen überdenken und sich dadurch verbessern. Sein pädagogischer Ansatz betont das unterrichtliche Prinzip der Selbsttätigkeit, der Spontaneität und des manuellen Tuns. Arbeit als pädagogischer Begriff stellt für ihn ein Korrektiv der geisteswissenschaftlichen Pädagogik. Pädagogische Arbeit müsse manuell, praktisch und geistig zugleich geprägt sein Weitere Ziele waren die Förderung der manuellen, nicht nur der intellektuellen Fähigkeiten und Förderung des naturwissenschaftlichen und des Kunstunterrichts. Schüler sollen eigentätig lernen, nicht nur vorgetragen bekommen. Schüler sollen anschaulich lernen, möglichst "am lebendigen Objekt", wofür der enzyklopädische Lehrstoff eingeschränkt werden muss.

 
Seine Methode. Er richtete (neben der Einführung von Physik und Chemieunterricht) Holz und Metallwerkstätten, Schulküchen und Schulgärten ein. Befürworter der Eigenbewertung schulischer Leistungen. Er regt an, dass jeder Schüler für sich selbst ein Urteil finden müsse.
 

Sein Einfluss. Begründer der Berufsschule. Einzelne Berufszweige begannen zum Ende des 19. Jahrhunderts, eigene Lehrwerkstätten mit Fachunterricht aufzubauen. Erst 1897 wurde das duale System jedoch festgeschrieben. Theoretischer Unterricht in der Berufsschule sollte die praktische Ausbildung im Betrieb nun ergänzen. Das Konzept für diese Art von Lernen stammt von Georg Kerschensteiner. Bis heute wurde in Deutschland am dualen System der Berufsausbildung festgehalten. Auch Kerschensteiners pädagogische Ansichten haben bis heute nicht an Aktualität verloren.

 
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Baden Powell 1857 - 1941

 
  

1857 Februar 18. in London,  geboren.

1870 tritt er in das renommierte Charterhouse-College ein, wo er mit seinen in früher Kindheit erworbenen Waldläuferkenntnissen seine Mitschüler verblüfft.

1876 schaffte den Abschluss nach sechs Schuljahren mehr schlecht als recht.

1899 Eintreffen in Südafrika. Er sollte zwei Kundschafterteams in den beiden Städten Bulawayo und Mafeking ausbilden.

1907 ruderte er mit 22 Jungen aus allen Gesellschaftsschichten nach Brownsea Island rüber. Das erste Pfadfinderlager.

1908 Buch "Scouting for Boys, wurde in riesigen Mengen abgenommen.

1910 König Edward VIII. dankt persönlich mit den Worten: "Die Organisation der Pfadfinderbewegung ist der größte Dienst, den Sie unserem Land leisten können".

1920 Weltpfadfindertreffen fand in der Londoner Olympia-Hall statt: 8000 Pfadfinder aus 27 Ländern.

1941 Januar 8. starb der Gründer der Pfadfinderbewegung. Auf dem Grabstein war ein Symbol eingemeißelt, das nur Pfadfinder verstehen können. Ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte: Es bedeutet: "Habe meinen Auftrag erfüllt, bin nach Hause gegangen."

      BadenPow
 
Pädagogischer Leitgedanke. Die Methode des "Erlebens in der Natur" und das Erziehungsziel der "Solidarität"sind bei B.P. zentral angelegt. Für die pfadfinderische Erziehung gibt es eine Reihe von Begriffen, die abhängig vom Alter und dem Interesse der Mitglieder zu Bedeutung gelangen; grob skizziert wäre dies: Spaß - Natur - Abenteuer - Gruppe - Verantwortung - Hilfsbereitschaft - Solidarität - Internationalismus -
 

Seine Methode. Spezifisch für die Pfadfinderei sind die Freiwilligkeit, die Ehrenamtlichkeit und die Kontinuität der Gruppen. Im Idealfall entwickelt sich eine enge Beziehung der/des Leiterin/Leiters zu den Mitgliedern, die es zum einen ermöglicht zusammen Projekte zu planen, die allen Betroffenen Spaß machen und sie weder über- noch unterfordern, zum anderen wird der Leiter auch zu einem Gesprächspartner für die Probleme der Jugendlichen. Er formulierte das Pfadfinderversprechen, das Pfadfindergesetz und den Wahlspruch in sehr einfachen, verständlichen Worten. Der Wahlspruch lautet: "So gut ich kann" und spannt sich bis zur Gilde mit dem Wahlspruch: "ich erfülle". Das Gesetz spricht nicht be fehlend von "du musst" oder "du sollst", er umschrieb es mit: "Ein Pfadfinder ist". Es sind keine Ziele, sondern ein IST-Zustand, mit dem er das Pfadfindersein beschreibt. Z.B.: Ein Pfadfinder ist ein Freund der Tiere. Die pädagogische Grundlage ist auf 4 Systeme aufgebaut: 1. Das Patrullensystem: die Arbeitskreise; 2. Die Stufenarbeit :die Altersgruppen oder Gesinnungsgruppen; 3. Die tägliche gute Tat :die Säule "Soziales"; 4. Lernen mit Lob und Anerkennung, die Mitmenschen motivieren.

 

Sein Einfluss. Schon vor 100 Jahren, zu Zeiten der Prügelstrafe, setzte Baden-Powell Lob und Anerkennung anstelle von Angst und Strafe bei der Erziehung ein. Er ist damit einer der geistigen Väter der Erlebnispädagogik. Zur Pfadfinderbewegung gehörten 2006 weltweit mehr als 38 Millionen Kinder und Jugendliche aus 216 Ländern. Deren Methode wurde von vielen anderen Jugendverbänden übernommen und hat die Jugendarbeit, die Sozialpädagogik und Schulpädagogik beeinflusst. Viele Elemente wurden ins Outdoor- , Management- und Teamtraining übernommen.

 
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John Dewey 1859 - 1952

 "Skepsis ist das Zeichen und sogar die Pose des gebildeten Verstandes."
  

1859 in Burlington (Vermont, USA) geboren.

1879 Graduierung, Mittelschullehrer in Oil City.

1884 Dissertation mit einer Studie über die "Psychologie Kants".

1887 erschien sein erstes Buch "Psychologie".

1894 Berufung nach Chicago. Arbeitet daran, Philosophie, Psychologie und die Pädagogik zu vereinen.

1949 beschrieb Dewey sein Lebensziel als die Suche nach einer einigermaßen klaren und deutlichen Idee darüber, welches die Probleme und Schwierigkeiten seien, die wir im täglichen Alltag erfahren. Diese Fragestellung ist eine der Kernelemente des von Dewey mit geprägtem Pragmatismus.

1952 Juni 1. Tod.

      Dewey
 
Pädagogischer Leitgedanke. Zentrales Anliegen Deweys war es, die damals verlorengegangene Verbindung zwischen Schule und Leben, und damit auch der Erziehung und Erfahrung, wieder herzustellen. Dewey war ein Initiator der Reformpädagogik. Dewey erstellte sein Hauptwerk der amerikanischen Reformpädagogik "education and politics" (Erziehung und Politik) 1916. Dewey verfasste es an der "school of education". Es gilt als Schlüsselwerk der internationalen Reformpädagogik. Dewey war der Meinung, dass der Pädagogik in der Ausbildung von Lehrkräften mehr Gewicht zugemessen werden müsse.
 
Pädagogischer Grundkern. Der Erziehungsvorgang hat zwei Seiten, eine psychologische und eine soziale, und keine von ihnen darf vernachlässigt oder der anderen untergeordnet werden. Was Ernährung und Fortpflanzung für das physische Leben ist, ist Erziehung für das soziale Leben.
 

Methode. Um 1920 gründete Dewey in den Vereinigten Staaten die "progessive education association", die Vereinigung für fortschrittliche Erziehung. In ihr wurden Lehrer und Eltern in die Entwicklung mit einbezogen. Wenn eine Gesellschaft komplizierter wird, ist es notwendig, eine besondere soziale Umwelt zu schaffen, die die Aufgabe der Fürsorge übernimmt. Vereinfachung und Ordnung der Faktoren derjenigen Anlagen, die erwünscht sind. Reinigung und Idealisierung der sozialen Gewohnheiten. Schaffung einer ausgeglichenen Umwelt. Schule sollte demnach als größeres Ganzes des sozialen Lebens betrachtet werden.

 

Sein Einfluss. Dewey prägt den Begriff des "Learning by Doing", da in diesem Prozess des geistigen und physischen Nach-Lebens, das Lernen 'Nebenprodukt' ist. Der Schüler muss die Gelegenheit bekommen, seine Gedanken durch praktische Anwendung zu erproben, ihren Sinn zu klären und auch ihren Wert selbständig zu entdecken. Nur ein solches Durch-Machen führt zu realer, nicht bloß verbaler Erkenntnis.

 
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Rudolf Steiner 1861 - 1925

"Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen."
  

1861 Februar 27. wird Rudolf Josef Lorenz Steiner im kroatischen Kraljevec geboren.

1891/92promoviert er zum Thema "Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre. Prolegomena zur Verständigung des philosophierenden Bewusstseins mit sich selbst“.

1893 mit "Die Philosophie der Freiheit" erscheint philosophisches Hauptwerk.

1902 wird Leiter der deutschen Sektion der "Theosophischen Gesellschaft". Steiner ist zwar kein antisemitischer Agitator, seine Weltanschauung aber auch nicht frei von rassischen und völkischen Klischeevorstellungen.

1911 Nachdem er Erfahrungen im Bereich des Dramas gesammelt hatte, entwickelt er seine Bewegungslehre, die "Eurythmie".

1913 gründet die "Anthroposophische Gesellschaft".

1919 Auf einem Betriebsgelände in Stuttgart entsteht die erste Waldorfschule.

1925 stirbt am 25. März in Dornach bei Basel.

      RSteiner
 
Pädagogischer Leitgedanke. Im Sinne der Waldorf-Pädagogik brauchen Entwicklung, Wachstum und Reife viel Zeit. Das Kind entwickelt sich zunächst körperlich: Organe, Sinnesorgane, Drüsen, Verdauungs- und Lebensorgane. Die körperliche Reife bildet die Grundlage für das Bewusstsein des Kindes und dessen seelisch-gefühlsmäßiges Erlebnisvermögen. Der Waldorf-Pädagogik geht es um eine gesunde Entwicklung, bei der der ganze Mensch sich in Körper, Psyche und Geist ausbilden kann.
 
Pädagogischer Grundkern. Die Waldorf-Pädagogik folgt der Regel: Zuerst ist das Gehen, dann das Sprechen und der Sprachschatz, dann das Denken.

Seine Methode. Gemeinsamer Unterricht für Jungen und Mädchen, zwei Fremdsprachen ab der ersten Klasse, Epochenunterricht (Blockunterricht), Gesamtschule von Klasse 1 bis 12, Verzicht auf Sitzen bleiben, künstlerische Gestaltung des Unterrichts, ausführliche Textzeugnisse, Verbindung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Selbstverwaltung (Autonomie) der Schule – all das ist selbstverständlich seit Gründung der ersten Waldorfschule im Jahre 1919. Das Spielen nimmt eine wichtige Stellung ein. Dabei geht die Waldorf-Pädagogik von verschiedenen Spielalterstufen aus: 1. Stufe - In einem frühen Alter bis etwa 3 Jahre spielt das Kind, indem es nachahmt. 2. Stufe - Auf der zweiten Spielstufe erwacht neben der Aktivität als solcher die Spielphantasie. Das Charakteristische dieser Stufe ist, dass das Kind beginnt, tägliche Erlebnisse nachzuspielen: Haushalt, Strafe, Arztbesuch, Feuerwehr usw. 3. Stufe - In der dritten Spielstufe, die die 5- bis 7-jährigen kennzeichnet, werden die Kinder nicht so sehr von außen - durch das Tun der Erwachsenen oder durch Gegenstände - angeregt, sondern eher durch eigene Erlebnisse, Vorstellungen und Geschichten. Das Handeln wird zielgerichteter. Die Kinder verteilen Rollen und Funktionen.

 

Sein Einfluss. Dieses Schulmodell ist auf der ganzen Welt mit über 500 Schulen verbreitet. Dieses Schulmodell wurde auf die Kindergärten übertragen. Die "vollständige" Waldorfschule arbeitet somit mit Kindern und Jugendlichen von 3 bis 18 Jahren. Schulen in Deutschland: 237: SchülerInnen in Deutschland: 85.797; Schulen in Europa (ohne Deutschland): 488; Schulen außerhalb Europas: 343; Schulen weltweit: 1.067; Waldorfkindergärten weltweit: ca. 2.000.

 
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John Haden Badley 1965 - 1967

 
  

1865 Februar 21. geboren in Dudley (England).

Studium in Trinity College Cambridge.

Kontakt zu den sozialistischen Ideen von Wolliam Morris.

Studien in New York City, Kontakte zu Helen Parkhurst und dem Dalton Plan

Lehrer in Abbotshome.

1893 Gründung der Schule Reformschule Bedales Schwerpunkt: Koedukation.

1899 Ausweitung der Schule zur vollen Koedukation.

1905 Vorsitzender der Fröbelgesellschaft.

1967 März 6.gestorben in Steep, Petersfield, Hampshire.

      Badley
 
Pädagogischer Leitgedanke. Bedales wurde im Jahr 1893 von John Haden Badley als Reaktion auf die Beschränkungen der konventionellen viktorianischen Public School gegründet. Bedales war das erste koedukative unabhängige Landerziehungsheim in England.
 

Seine Methode. Es werden auch Mädchen (1898 zunächst 4 Mädchen) beschult und die Schule wird zur 'vollen Koedukation' ausgebaut. Das Unterrichtsprogramm orientiert sich weitgehend an Abbholme von C. Reddie. Bei Badley fehlt im Gegensatz zu Abbotsholme aber jeder Bezug, die Schule als Schule für die Oberschicht (direckting classes) anzupreisen, in der das 'Denken in aristokratischen Begriffen' geübt wird und die als 'vernünftige Vorbereitung auf das koloniale Leben' gilt. Die Schüler lernen selbständig und sind auch in die Selbstversorgung der Schule im Gemüsegarten und bei Erntearbeiten einbezogen. Die Naturwissenschaften: Biologie, Chemie und Physik werden fächerübergreifend unterrichtet, es gibt Labors und etwas wie einen botanischen Garten um - wie man heute sagen würde - ökologisches Denken zu fördern. Exkursionen zur Erkundung botanischer, geologischer und zoologischer Aspekte gibt es genauso wie Feldmessen und Besuche in Industrieanlagen. Eine ausgeprägte musische Bildung, und die Förderung aller künstlerischen Aktivitäten finden in einer bewusst ästhetischen Schulumgebung statt. Mathematik und Geometrie werden an praktischen Aufgaben (z.B. Feldmessen) und der vorhandenen Erfahrung der Kinder unterrichtet. Fremdsprachen (Französisch und Deutsch), Gartenarbeit, Schneidern (Knickerbockeranzüge), Schustern, Kochen, Hygieneunterricht und systematische Sexualkunde (Badley war auch gegen die unterdrückende Sexualeinstellung der öffentlichen Schulen in England) und Grundformen einer Schulgemeinde - Gestaltung des Schullebens unter Mitentscheidung und Mitverantwortung der Schüler. Der Religionsunterricht war undogmatisch und nicht konfessionell.

 

Sein Einfluss. Gemeinsame Bildung von Jungen und Mädchen. Schule nicht nur für die Oberschicht.

 
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Herrmann Lietz 1868 - 1919

"Der Mensch mag viel wissen, kann aber trotzdem unvernünftig handeln und charakterlos leben."
  

1868 April 28. in Dumgenevitz auf Rügen geboren.

1878 kommt er auf das Gymnasium in Greifswald und Stralsund. Den Übergang erlebt er als katastrophalen Bruch mit seinem bisherigen Leben.

1888 studiert Theologie und Philosophie in Halle.

1896 geht nach England zu Cecil Reddie, entscheidender Antrieb zur Verwirklichung seines Vorhabens, eine eigene Schule zu gründen.

1898 gründet er das Landerziehungsheim Ilsenburg (LEH Pulvermühle).

1900 eröffnet Bertha Petersenn mit der Hilfe von Hermann Lietz ein Landerziehungsheim für Mädchen in Berlin-Lichterfelde.

1901,1904,1935 folgen drei weitere Erziehungsheime (Haubinda bei Hildburghausen in Thüringen, Bieberstein und Landwaisenheim Veckenstedt).

1919 stirbt Lietz an den Spätfolgen seiner Kriegsverletzung

      Lietz
 
Pädagogischer Leitgedanke. Fest steht, dass er mit seinem Wirken eine von neuen Lebensidealen geprägte Generation ausbilden wollte. Die Großstadt hielt er zum Erreichen seiner Erziehungsziele für völlig ungeeignet. Eine Erziehung, die in Einklang mit der Natur und auf breite Allgemeinbildung angelegt sein sollte, jenseits von Moralverlust und Freizügigkeit, das war sein Traum. In seinen Ideen versuchte er, große Pädagogen der Vergangenheit mit einzubeziehen. (z.B. Pestalozzi). Wenn Hermann Lietz auch mehrere Schulen gegründet hatte, am liebsten wäre er in jeder ständig präsent gewesen. Seinen Mitarbeitern gegenüber war er (nicht ohne Grund) oft misstrauisch. Er befürchtete, dass seine Pädagogik falsch verstanden und angewendet werden könnte, was durchaus gelegentlich vorkam. Wynecken, der zeitweise unter ihm arbeitete, prägte den folgenden Satz: "...die Jungen bedeuteten Lietz alles, seine Mitarbeiter nichts."
 

Sein Erziehungsziel. "Erziehungsschule gegen Unterrichtsschule".

Seine Methode. Die ersten deutschen Landerziehungsheime (D.L.E.H.) und ihre Besonderheiten. Im Jahre 1898 kaufte Hermann Lietz eine heruntergewirtschaftete Pulvermühle in grüner Umgebung in Ilsenburg im Harz. Dort gründete er kurz darauf unter dem Wahlspruch " Licht, Liebe, Leben", sein erstes Landerziehungsheim. Noch bevor er das Grundstück überhaupt besaß, hatte er schon die ersten Schüleranmeldungen. Als der Schulbetrieb begann, waren auf dem ganzen Gelände noch viele Dinge in Ordnung zu bringen. Von Schulräumen über sanitäre Anlagen bis hin zu Schülerunterkünften musste fast alles neu aufgebaut oder zumindest grundlegend saniert und renoviert werden. Mit großem Einsatz schafften er und seine Zöglinge nach und nach das Unmögliche. Neben den Schulgebäuden und Unterkünften entstanden im Laufe der Zeit Sportanlagen und Einrichtungsgegenstände. Gerade diese Jahre des Aufbaus haben viele ehemalige Schüler sehr stark verinnerlicht und geschätzt. Sie erinnerten sich gern an den Pioniergeist, die Aufbruchsstimmung und den Gemeinschaftssinn dieser Zeit. Nicht nur in der Schulzeit war der Tagesablauf der Landerziehungsheimbewohner ausgefüllt und überraschungsreich. An dieser Stelle sei kurz auf verschiedene Ferienreisen hingewiesen, die auch heute noch sehr abenteuerlich anmuten. Lietz unternahm mit seinen Schülern wochenlange Märsche oder Radwanderungen, wie etwa zur Pariser Weltausstellung, quer durch England oder vom Nordkap bis nach Konstantinopel. Die Auswahl der Unterrichtsfächer war breit und abwechslungsreich. Neben dem obligatorischen "Pflichtprogramm" (Deutsch, Mathematik, Religion, Geschichte, Sprachen) erteilte ein Arzt einmal wöchentlich Unterricht in Gesundheitslehre, auf dem Schuldach wurden astronomische Beobachtungen angestellt und im selbst gebauten Schwimmbassin übte man das Retten und Wiederbeleben von

 

Sein Einfluss. Nach den Vorgaben ihres Gründers Hermann Lietz mit Gründungen seit dem Jahr 1898 beruht die Erziehung und die Schulstruktur in den Landerziehungsheimen dabei auf der ganzheitlichen Erziehung nach dem Motto von Johann Heinrich Pestalozzi "mit Kopf, Herz und Hand". Eine tragende Säule der Lietz-Schulen ist, neben dem normalen Fachunterricht, die "Heimfamilie", eine Gruppe von ca. 8–10 Schülern, die mit einem Lehrer oder einer Lehrerin zusammen leben und arbeiten. Die erzieherische Arbeit durch die Lehrer in der Heimfamilie beruht auf Vertrauen, Toleranz, Verantwortung und der Vorbildfunktion der Älteren. Eine weitere tragende Säule sind die außerunterrichtlichen, nicht benoteten "Gilden", sowie die verpflichtende "Praktische Arbeit" zur Aufrechterhaltung des Internatsbetriebes. Der Unterricht orientiert sich einerseits an den staatlichen Richtlinien, trägt aber andererseits auch den Anforderungen der sich ständig verändernden Arbeitswelt Rechnung. Zum üblichen Angebot an Leistungskursen bietet man in der Oberstufe in Schloss Bieberstein einen Leistungskurs Wirtschaftswissenschaften an. In allen vier Schulen werden moderne Medien als interaktive und innovative Lernsysteme eingesetzt.

 
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Paul Geheeb 1870 - 1961

"Kein Mensch wird kultiviert; jeder hat sich selbst zu kultivieren."
  

1870 geboren am 10. Oktober in Geisa (ein kleiner Ort in der Rhön).

1882-1886 besuchte das Gymnasium in Fulda, wo er ein unauffälliger Schüler ist.

1884 seine Mutter stirbt an Krebs, welches er wenige Jahre vor seinem Tod als größte Katastrophe seines Lebens bezeichnet.

1889 Abitur im Gymnasium in Eisenbach, und entschließt sich für ein Studium der Theologie

1893 schließt sein Theologiestudium an der Universität Jena ab

1906 Gründung Geheebs erster Schule mit dem Pädagogen Gustav Wyneken.

1910 bereits am 10. April konnte er sein Lebenswerk mit Ehefrau Edith Geheeb, seine Odenwaldschule öffnen.

1934 nach dem letzten Abitur, am 19.März 1934, lösten sie die Schule auf.

1940 Gründung einer Schule in Lac-Noir im Jura.

1961 Geheeb stirbt im Alter von 90 Jahren in der Schweiz.

      Geheeb
 
Pädagogischer Leitgedanke.Die Bewegung der deutschen Landerziehungsheime war ein Teil der kulturkritischen und lebensreformerischen Protestbewegungen, mit denen das ausgehende 19. Jahrhundert in Europa und den USA auf die Industrialisierung und die diese begleitenden gesellschaftlichen Veränderungen reagierte. Die Jugend soll zu tapferen Kämpferscharen erzogen werden, die sich nicht feige in die Welt, die in vielen Hinsichten immer verderbt ist, hineinfügen, sondern gelernt haben, gegen den Strom zu schwimmen.
 
Sein Erziehungsziel. Jeder Jüngling, jedes Mädchen lernt im Landerziehungsheim, als verantwortungsvolles Glied einer kleinen Gemeinschaft zu leben, um als Staatsbürger später mit voller Hingabe dem Wohle der Nation zu dienen. So soll die neue Jugend weit über den Rahmen ihrer Heime hinaus wirken zur völligen Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft.
 

Seine Methode. Statt in städtischen Tagesschulen sollte die Jugend in überschaubaren, auf einem partnerschaftlichen Verhältnis von Jung und Alt beruhenden ländlichen Erziehungsgemeinschaften heranwachsen. Geheeb und andere Landerziehungsheimgründer legten mehr Gewicht auf musische und handwerkliche Aktivitäten und auf ein eher intensiveres Verhältnis zur Natur. Was er will ist die Veränderung des Verhältnisses von Erwachsenen und Kindern. Statt auf Unterordnung, Befehl und Gehorsam, wie bis anhin, sollte dieses auf gegenseitigem Respekt und auf Dialog beruhen. Jeder Versuch, Menschen nach einem bestimmten Plan zu Erziehen ist für Geheeb letztlich ein illusorisches Unternehmen, in dessen Verlauf die Menschen sich "zu kümmerlichen Karikaturen dessen, was sie ihrer individuellen Bestimmung nach hätten werden sollen" entwickeln.

 

Sein Einfluss. Nach Geheebs Überzeugung muss jeder junge Mensch einen seiner Persönlichkeit und seiner Entwicklung entsprechenden eigenen Weg gehen. Konsequenterweise vollzog der Schulgründer eine radikale Neustrukturierung des Unterrichts. Dazu gehörten die Auflösung des Klassenverbandes und die Kursorganisation des Unterrichts ebenso wie die Verknüpfung von handwerklicher und unterrichtlicher Unterweisung und Betätigung. Auch heute setzt die Odenwaldschule auf Förderung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten von Kindern und Jugendlichen, auf intensive Tätigkeit in sinnerfüllter Zeit. Bis heute sind die Schulgemeinde und die Möglichkeiten zur Doppelqualifikation, d.h. Abitur und parallele berufliche Ausbildung die erfolgreichen Besonderheiten, die die Odenwaldschule auszeichnen und ihren Charakter prägen.

 
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Maria Montessori 1870 - 1952

"Hilf mir, es selbst zu tun!"
  

1870 August 31. in der Nähe der italienischen Stadt Ancona geboren.

1890/92 nach dem Besuch einer naturwissenschaftlich-technischen Sekundarschule studiert Montessori an der Universität Rom Naturwissenschaften.

1900 wird Leiterin des neugegründeten medizinisch-pädagogischen Instituts der Nationalen Liga zur Erziehung behinderter Kinder in Rom.

1907 im Januar wird das erste Kinderhaus "Casa dei bambini" mit ihrer Konzeption in San Lorenzo eröffnet.

1909 veröffentlicht die pädagogischen Erfahrungen aus San Lorenzo.

1911 auf internationaler Ebene werden Modellschulen gegründet.

1912 Montessori-Methode erzielt überwältigende Erfolge in den USA.

1936 flieht vor dem Spanische Bürgerkrieg nach Amsterdam. Mit "The Secret of Childhood" (Das Geheimnis der Kindheit) erscheint eines ihrer bekanntesten Werke.

1952 Mai 6. stirbt Maria Montessori mit 81 Jahren in Nordwijk aan Zee, in den Niederlanden.

      Montessori
 
Pädagogischer Leitgedanke. Nach Montessori trägt jeder Mensch schon einen Plan für die persönliche Entwicklung in sich. Er braucht nur Hilfen zur Selbstentwicklung. Nach konventionellen Unterrichtsmethoden würden die Kinder in ihrem Plan gestört, meint Montessori. Fehlentwicklungen und Aggressionen könnten die Folge sein.
 
Pädagogischer Grundkern. Grundsätzlich hält sich der Lehrer einer Montessori-Schule im Hintergrund. Er stellt die Aufgaben, über die Ausführung entscheidet das Kind. Nach Montessori weiß nicht der Lehrer, was dem Kind gut tut, sondern das Kind selbst. Was für das jeweilige Kind gerade richtig ist, hängt von der Entwicklungsphase ab und zeigt sich an seinem Interesse für eine Sache.

Methode. In der Freiarbeit, die die Montessori-Pädagogik kennzeichnet, entscheiden die Schüler, ob sie in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit rechnen, schreiben oder sich lieber mit Geschichte oder Erdkunde beschäftigen wollen. Auch die Arbeitsmaterialien suchen die Kinder selbst aus. Zur Verfügung stehen Würfel, Perlen, rote Stäbe zum Rechnen, eine Waage, Wortsetzkästchen und Ähnliches. Die Kinder helfen einander und kontrollieren ihre Ergebnisse selbst. Die Lösungen liegen den Arbeitsmaterialien bei. Der Lehrer schreitet nur ein, wenn ein Schüler Hilfe braucht. In den übrigen Stunden findet konventioneller Unterricht statt, der sich nach dem offiziellen Lehrplan richtet. Noten gibt es nur im letzten Grundschuljahr.

 

Ihr Einfluss. In der heutigen Zeit wird immer wieder von sog. Flow-Erlebnissen gesprochen. Damit ist eine tiefe Konzentration gemeint, die Kräfte bündelt und anschließend Ausgeglichenheit und Zufriedenheit schafft. Diese tiefe Konzentration, die alles um sich vergessen macht, war für M. Montessori eine ihrer wichtigsten Forderungen. Sie bezeichnete es als „Polarisation der Aufmerksamkeit”. Aufgrund der Ausführungen ist zu erkennen, dass die Montessori-Pädagogik weiterhin immens aktuell ist. Sie ist eine Pädagogik die keinerlei Zeitströmungen unterworfen ist. Sie lässt sich in allen Kulturen und mit allen Kindern dieser Welt umsetzen. Weltweit 40.000 Schulen.

 
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Alice Salomon 1872 - 1948

 
 
         

1872 April 19 in Berlin geboren.

1902 bis 1906 studierte Alice Salomon Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie.

1906 promovierte Alice Salomon mit einer Arbeit über die ungleiche Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit.

1899 Vorsitzende des Vereins der Mädchen- und Frauengruppen für Soziale Hilfsarbeit.

1900 übernahm sie im Bund Deutscher Frauenvereine Vorstandsfunktionen.

1899 eröffnet den ersten Jahreskurs der Mädchen- und Frauengruppen für Soziale Hilfsarbeit.

1908 gründete sie die Soziale Frauenschule in Berlin.

1929 war sie maßgeblich an der Gründung des Internationalen Komitees sozialer Schulen beteiligt.

1933 aus allen öffentlichen Ämtern verdrängt und im Alter von 65 Jahren 1937 von der Gestapo zur Emigration gezwungen.

1948 Alice Salomon starb in New York.

      ASalomon
 
Pädagogischer Leitgedanke. Alice Salomon war eine Pionierin der Wissenschaft der sozialen Arbeit, und ihr Beitrag war es vor allem, dass sie Perspektiven und Fragestellungen eröffnete. Aus diesen Grundannahmen über den Menschen entwickelte Alice Salomon einen Pflicht-Begriff, der die Verantwortung der wohlhabenden bürgerlichen Klasse, gegenüber den besitzlosen Klassen, in den Blick nimmt.
 
Ihr Erziehungsziel. Ziel soziale Gerechtigkeit als Aufgabe der Wohlfahrtspflege.
 

Ihre Methode. Die Instrumente, die Alice Salomon einsetzt, um soziale Gerechtigkeit zu erlangen, sind Ausbildung und Vernetzung bzw. die Einbettung ihres Handelns in die

Zusammenhänge der öffentlichen Diskussion um die "Soziale Frage", sowie der nationaler und internationaler Frauenbewegung. Fachliche Kompetenz und "soziale Gesinnung" Die systematische Ausbildung gehörte von Anfang an zum Selbstverständnis der "Gruppen". Damit soziale Arbeit erfolgreich sein konnte,

benötigten die Ausführenden Fachkenntnisse und Fertigkeiten

Alice Salomons Konzept von der sozialen Arbeit "als weiblichen Dienst am Volksganzen", als spezifisch weibliche Fähigkeit, beinhaltete neben der Vermittlung von Fachwissen auch die Schaffung einer Persönlichkeit mit "sozialer Gesinnung"

 

Ihr Einfluss. Der Bildungsauftrag ergibt sich aus der besonderen Verantwortung der besitzenden Klasse. Und er unterstreicht die Rolle der sozialen Arbeit als Arbeit und nicht als Beschäftigung oder Zeitvertreib, eben als eine sinnstiftende Tätigkeit zur Erfüllung der eigenen Existenz.

 
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Otto Glöckel 1874 - 1935

 
  

1874 Februar 8. geboren in Niederösterreich.

1898 das erste Schulprogramm des Vereins „Die Jungen“ ist in Wien erschienen. Es beinhaltete einige Neuerungen im Schulsystem

1905 Gründung des Vereins „Freie Schule“ für die Abschaffung der Kinderarbeit, Schaffung einer Einheitsschule und die Einführung des Arbeitsunterrichts.

1934 Auf Grund seiner politischen Ansichten wurde er verhaftet und seines Amtes enthoben.

1935 23. Juli einige Monate nach seiner Entlassung verstarb er an den physischen und psychischen Folgen, die er sich während seiner Inhaftierung zugezogen hatte.

      Glckel
 

Pädagogischer Leitgedanke. In seiner Amtszeit als 2. geschäftsführender Präsident des Wiener Stadtschulrates führte er an 6 Schulen Wiens den Schulversuch "allgemeine Mittelschule" durch, mit Anlehnung des Lernplans an die deutschen Mittelschulen. Für Glöckel galt es folgende Punkte umzusetzen: Veränderung der großen Unterschiede zwischen den Schultypen (der Umstieg war defacto nicht möglich); Schaffung einer Schule die für alle Konfessionen gleich war; Demokratisierung des Schulwesens. Das Ergebnis war eine Kompromisslösung. Neben den 8 klassigen Mittelschulen (Gymnasium, Realgymnasium, Frauenoberschule) wurde eine 4 jährige Hauptschule mit 2 Klassenzügen geschaffen. Die Lehrpläne waren so zu gestalten, dass ein Übertritt zwischen Haupt-und Mittelschule möglich war. Nach der Machtübernahme der Austrofaschisten wurde sein gesamtes Werk zerstört, sofort wurden neue Lehrpläne geschaffen.

 
Pädagogischer Grundkern. Sein Hauptinteresse galt einer Trennung von Kirche und Ausbildung sowie die Schaffung einer Gesamtschule.
 
Methode. Sein erster Erlass betraf die Aufhebung der Zwangsteilnahme an religiösen Übungen. Dafür wurde er stark vom kirchlichen Lager angefeindet und sein Werk als "Schulbolschewismus" abgetan. Für die Umsetzung richtete Glöckel eine Reformabteilung im Ministerium ein. Alle Entscheidungen sollen von Pädagogen getroffen werden.
 
Sein Einfluss. Das wichtigste Ziel der Wiener Schulreform war die Schaffung eines, der demokratischen Republik angemessenen Schulsystems, mit demokratischem Erziehungsstil, Gemeinschaftsgesinnung und gleichen Bildungschancen für alle Kinder unabhängig von Geschlecht und Herkunft. Im Zuge der Reform wurden die Schulverwaltungen demokratisiert, der Lehrbetrieb modernisiert, die Lehrpläne überarbeitet, die Lehrerausbildung erneuert und Ansätze einer Schülerselbstverwaltung verwirklicht. Der Volksschulunterricht umfasste die drei Prinzipien: Arbeitsunterricht (Arbeitsschule), Gesamtunterricht und Bodenständigkeit. Die innere Schulreform baute auf der
 
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Janusz Korczak 1878 - 1942

 "Entsagenwir also der trägerischen Sehnsucht nach vollkommenen Kindern."
  

1878 geboren am 22.Juli als Henryk Goldszmit in Warschau.

1898-1904 Medizinstudium und Betreuung von Kindern im Warschauer Armenviertel.

1906-1911 Tätigkeit in einem Kinderkrankenhaus im Warschauer Armenviertel.

1912-1914 Leitung des nach seinen Plänen gebauten jüdischen Waisenhauses in Warschau: “Dom Sierot” (=Haus der Waisen).

1920 erscheint: „Wie liebt man Kinder“

1926 Gründung der ersten Zeitung von Kindern und für Kinder.

1929 erscheint: „Das Recht des Kindes auf Achtung“. Kampf für die Gleichberechtigung des Kindes unter Anerkennung seiner physischen und psychischen Eigenart.

1942 Anfang August Deportation des Dom Sierot mit Korczak, der mehrere Versuche zu seiner eigenen Rettung abgelehnt hatte und etwa 200 Kindern in das Vernichtungslager Treblinka

5.8.1942 vermuteter Todestag.

      Korczak
 

Pädagogischer Leitgedanke. Seine Pädagogik kann als Vorläufer der Kinderrechte betrachtet werden. Sie stellt die traditionelle Auffassung von Erziehung in Frage und beschreibt Wege, um die Würde des Kindes zu bewahren. Da Korczak wusste, dass Erwachsene nicht freiwillig auf ihre Privilegien und ihren Machtanspruch Kindern gegenüber verzichten, appelierte er nicht an den Erzieher, das Kind zu achten. Er ging einen entscheidenden Schritt weiter, indem er die Magna Charta Libertatis als ein Grundgesetz für Kinder forderte. Diese Rechte sollen das Kind vor dem Zugriff der Erwachsenen durch Wissenschaft, Psychologisierung, Pädagogisierung, Scheinliebe und Leistungsanforderungen schützen. Die Radikalität seiner Forderungen wird besonders durch den ersten Punkt deutlich. Indem er das Recht auf einen eigenen Tod fordert, stellt er das eigene Leben mit seinen Wagnissen und Risiken in die Eigenverantwortung des Kindes.

 
Seine Methode. Korczak formulierte die Rechte der Kinder lange bevor 1959 die UN-Deklaration und dann endlich 1989 die UN-Konvention als völkerrechtliches Gesetz Kinderrechte festlegte. Das Kind durch Rechte zu schützen bedeutete für Korczak in erster Linie, die Erfahrungen des Kindes und damit sein Anderssein, seine Individualität und sein Kindsein zu schützen. Korczak verlangte eine dialogische Struktur, in der das Recht auf Achtung oberste Priorität hat. "Ich fordere die Magna Charta Libertatis, als ein Grundgesetz für das Kind. Vielleicht gibt es noch andere - aber diese drei Grundrechte habe ich herausgefunden: Das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod; Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag; Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist."
 

Sein Einfluss. 70 Jahre dauerte es, bis Korczaks Forderung zumindest teilweise realisiert wurde: in einer verbindlichen Rechtsform wurden 1989 einstimmig von der UN-Vollversammlung persönliche, soziale, sittliche, kulturelle und politische Rechte für Minderjährige verabschiedet. Damit wurde der Kindheit ein eigener Wert eingeräumt und gesetzlich verankert, was Korczak schon Jahrzehnte vorher postuliert hat. "Kinder werden nicht erst zu Menschen, sie sind es schon!"Für die Wahrung der Rechte von Kindern setzen sich heute Kinderkommissionen und Kinderbeauftragte ein. Kinderinteressenverbände, wie z.B. der Deutsche Kinderschutzbund fordern und praktizieren politisches und gesellschaftliches Handeln, damit Kinder in ihren Entwicklungsmöglichkeiten unterstützt werden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür, Kinder zu achten, ist es, sich selbst dem schmerzhaften Prozess zu unterziehen, das Kindliche und Schwache in sich lebendig zu halten und den Zugang dazu nicht durch unsere starren Erwachsenenrollen zu verstellen.

 
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Herrmann Nohl 1879 - 1960

"Nicht die Probleme die der Jugendliche macht, sondern die er hat, haben den Erzieher zu interessieren."
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1879 Oktober 7. in Berlin geboren in einer Pädagogenfamilie, Mutter stirbt als er 3. Jahre alt ist.

1898 bis 1904 studiert Philosophie, Germanistik, Geschichte und Pädagogik.

1905 heiratet Bertha Oser, 5 Kinder.

1915 Militärdienst.

1933 veröffentlicht sein Hauptwerk „Das Handbuch der Pädagogik“.

1943 zur Fabrikarbeit herangezogen.

1946/47 im Zuge der Entnazifizierung ist Nohl am Wiederaufbau der Universität und Lehrerbildung in Göttingen beteiligt wo er Dekan wird.

1947 widmet er sich seiner Zeitschrift „ Zeitschrift für Kultur und Erziehung“.

1960 September 27.Herman Nohl stirbt nach kurzer Krankheit.

      Nohl
 

Pädagogischer Leitgedanke. Für Vorgänge im Erziehungs- und Bildungsprozess ist der Beitrag von Herman Nohl von richtungsweisender Bedeutung. Der von ihm gewählte Titel "Pädagogischer Bezug" gilt bis heute als Terminus technicus.

Für Nohl bleibt, trotz des Eigenrechtes des Kindes und des Jugendlichen, ein erzieherisch relevantes Verhältnis zwischen den Generationen erforderlich. Viele Kenntnisse und Erfahrungen der heranwachsenden Generation gründen auf der unmittelbaren und persönlichen Begegnung mit der älteren Generation. Die besondere pädagogische Entwicklungsgesetzlichkeit des Jugendalters bestehe darin, dass Jugendliche über ihre Jugend einen noch nicht gekannten, aber entwicklungsthematisch erahnten Erwachsenenstatus anstreben und dazu die eigenständige Jugendkultur sowie die Erwachsenen gleichermaßen benötigen würden, so Nohls zentrale Aussage. Die Frage ist also, wie sich die Jugendlichen von der Erwachsenenwelt abgrenzen, allerdings auch wo sie die Erwachsenennormen teilen. Die für die Sozialpädagogik wichtige Erkenntnis daraus lautet, dass das Jugendalter immer gleichzeitig auf zwei Ebenen thematisiert werden muss: Auf der Ebene der Jugendkultur sowie auf der Ebene des Erwachsenwerdens.

 
Sein Erziehungsziel. Die pädagogische Interaktion ist von seitens der Sozialpädagogen nicht nur funktional ausgerichtet, sondern ist Teilhabe der Erwachsenen an der Entwicklungsthematik Jugend wie Teilhabe des Jugendlichen an der Thematik des Erwachsenseins in einer sensiblen Balance von jugendkultureller Distanz und personaler Nähe
 
Seine Methode. Diese Beschreibung des pädagogischen Bezuges lässt drei Rückschlüsse zu: Das Verhältnis des Erziehers zum Zögling ist von Leidenschaft geprägt, hat also eine emotionale Komponente. Es geht um das Verhältnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen. Der pädagogische Bezug geht also grundsätzlich von einem unterschiedlichen Entwicklungsniveau aus und fordert darüber hinaus auf Seiten des Erziehers einen Zustand der Reife. Der pädagogische Bezug ist auf das "Selbst" des Zöglings hin ausgerichtet. Erzieherisches Handeln leitet sich also weniger aus externen Zielen und Zwecken ab, sondern orientiert sich primär am Zögling.
 

Sein Einfluss. Der Pädagogische Bezug in der Sozialpädagogischen Arbeit ist bis heute aktuelle. Seine Grundformel "Nicht die Probleme, die der Jugendliche macht, sondern die die er hat, haben die Sozialpädagogik zu interessieren", findet man oft als Grundlage zum Verständnis der Lebensweltorientierung-Theorie in der Sozialpädagogik. Nohl definierte den Begriff des Pädagogischen Bezugs und meinte damit, dass in der Entwicklungsdimension des Jugendalters eine pädagogische Aufforderungsstruktur enthalten sei. Gerade in der Gewaltthematik wo es bei Jugendlichen um massive Probleme des Nichtgebrauchtwerdens und der psychosozialen Orientierung geht, stoßen wir heute auf die Notwendigkeit der Wiedergewinnung des Pädagogischen Bezugs in der Figur des „relevanten und gesuchten“ Erwachsenen, den die Jugendpädagogen für die Jugendlichen verkörpern.

 
             

 

Alexander Sutherland Neill 1883 - 19730

"Summerhill ist ein Schonraum, ja ein Schutzraum vor dem Einfluss der verderblichen Alten."
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1883 Oktober 17. im schottischen geboren.

1908 Beginnt eines Landwirtschaftsstudiums an der Universität Edinburgh.

1916 Neill wird zum Kriegsdienst einberufen.

1921 Neill nimmt an der Gründungskonferenz der reformpädagogischen Bewegung "New Education Fellowship" in Calais teil.

1924 Gründet in Südengland in die Grafschaft Dorset die "Summerhill".

1960 Mit "Summerhill: A Radical Approach to Child Rearing" erscheint in den USA eine Zusammenfassung von vier Büchern A.S. Neills. Seine antiautoritäre Erziehung wird zum Leitbild vieler Pädagoginnen und Pädagogen bis heute.

1973 September 23. stirbt Alexander S. Neill in Aldeburgh.

      Neill
 

Pädagogischer Leitgedanke. Neill verfolgt dort das Konzept einer angstfreien Erziehung. Jede ethische oder religiöse Unterweisung der Kinder lehnt Neill strikt ab. Neills hatte einen festen Glauben an „das Gute im Kind“. Jedes Kind, welches gemein, unhöflich oder gewalttätig ist, habe weder die Veranlagung noch die Gene dazu alles ist erlernt oder durch Nachahmung übernommen. Erzieherisches Prinzip war, dem Kind bei seiner Entwicklung jede nur mögliche Freiheit zu lassen. Die Autorität der Erwachsenen sollte verschwinden, Vertrauen zu zwischenmenschlichen Beziehungen hergestellt werden. Drei Hauptmerkmale, die Neill für Summerhill festlegte, waren die Selbstverwaltung, das selbstbestimmte Lernen und die Freiheit von Moralvorstellungen. Den Kindern wurde zwar viel Freiheit gegeben, doch ganz ohne Regeln ging es nicht.

 
Seine Methode. Bis heute ist in Summerhill die Teilnahme am Unterricht freiwillig. Neill ging davon aus, dass Kinder lernen wollen. Da nur interessierte Schüler am Unterricht teilnehmen, ist dieser entsprechend effektiv und das Lernklima angenehm. Es gibt keine Hausarbeiten, Zensuren oder Prüfungen. Vorschriften zu Sicherheit, Gesundheit und Ordnung des gemeinsamen Lebens werden nicht von oben erlassen, sondern jede Woche in einer Schulversammlung diskutiert, beschlossen und bei Bedarf wieder aufgehoben. Jeder Schüler besitzt das gleiche Stimmrecht wie die Lehrer.
 

Sein Einfluss. Seine Mitarbeit an der Zeitschrift "New Era" (1920) in London hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich mit Erziehungsfragen auseinandergesetzt wurde. Er schrieb kritische Artikel gegen das Schulsystem und die seine Lehrer. Seit mehr als 80 Jahren existiert Summerhill nun schon. Es hatte wegen ungewöhnlicher Erziehungsmethoden mit Gerichtsprozesses zu tun. Die Anti-autoritäre Erziehung ist heute ist heute als Irrweg erkannt, dennoch verdanken wir ihr sehr wichtige pädagogische Impulse.

 
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Peter Pertersein 1884 - 1950

 
platz

1884 Juni 26. in Großenwiehe bei Flensburg geboren.

1904 Beginn des Studiums von Philosophie, Psychologie, Theologie, Geschichte, Philologie, Englisch und Hebräisch in Leipzig.

1908 Promotion an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena.

1927 Weltkongress des "Bundes für Erneuerung der Erziehung" in Locarno. Dort wird der Name Jena-Plan für Petersens Pädagogik geprägt.

1930 wird Mitglied im Vorstand des „Internationalen Kongresses für Sittliche Erziehung“.

1950 Die Distanzlosigkeit zum NS-Regime wird Petersen nach dem Krieg zum Verhängnis. Petersen bemüht sich in der neugegründeten DDR um eine Fortsetzung seiner pädagogischen Tätigkeit, was ihm aber verwehrt bleibt. Auch im Westen Deutschlands findet er zu dieser Zeit wenig Anerkennung

1952 stirbt am 21. März in Jena. Trotz Petersens Verstrickung in den Nationalsozialismus erlebt die Jena-Plan-Schule heute eine pädagogische Renaissance.

      Petersen
 

Pädagogischer Leitgedanke. Nach Petersen sind die Jenaplan-Schulen Familienschulen, was bedeutet, dass sie als öffentliche Staatsschulen die Familienerziehung ergänzen, fortführen und diese enger am Kulturleben orientieren. Deshalb ist eine Kooperation von Eltern und Schule unbedingt notwendig, sie bilden einen gemeinsamen Bezirk der Lebenswirklichkeit. Das soll praktisch so aussehen, dass die Schulstuben jederzeit für die Eltern geöffnet sind, damit diese in allen Bereichen (z.B. Unterricht, Feiern, Werkstatt, Garten, Wanderungen, Reisen) mitarbeiten können. Petersen fordert außerdem von allen Eltern, die ihr Kind in eine Jenaplan-Schule geben, dass sie die geistigen Prinzipien der Schule unterstützen, indem sie für die Kinder der Schule alles tun, was in ihrer Macht steht. Darunter sind Mitarbeit, finanzielle Unterstützung, Rat, Verteidigung, persönliche und materielle Opfer zu verstehen, die die Eltern nicht nur für ihr eigenes Kind, sondern für die Einheit aller Schüler der Schule auf sich nehmen sollen. Die Grundsätze, die Eltern und Lehrer gemeinsam verfolgen müssen, sind demnach folgende: alle weltanschaulichen Gegensätze werden zurückgestellt, damit die Kinder zu würdigen und wertvollen Menschen erzogen werden können; die Kinder müssen von allem, "was Hetze und Zank in ihre Herzen bringt", abgeschottet werden; die Jenaplan-Schule ist eine freie Volksschule, die den Kindern keine parteipolitische Vorprägung erteilen will; die Jenaplan-Schule ist eine allgemeine Schule, in der Kinder jeden Geschlechts, Standes, Bekenntnisses und jeder Begabung vereinigt werden, damit die Schule so lebensnah wie möglich gestaltet ist Lehrer müssen nach Petersens Auffassung aufpassen, dass sie nicht versuchen, die Elternliebe mit ihrer pädagogischen Liebe zu übertrumpfen. Das Richtmaß für das Schulleben ist also das Familienleben, allerdings nur in sehr abgeschwächter Form.

 
Pädagogischer Grundkern. Selbsttätiges Arbeiten, gemeinschaftliches Zusammenarbeiten und -leben und Mitverantwortung der Schüler- und Elternschaft.
 

Seine Methode. Eine rhythmisierte Wochenplanung, in der soziales und individuelles Lernen jedem einzelnen Kind ermöglicht werden. Dies heißt einerseits, Basiswissen und Fähigkeiten in individuell angemessener Weise (differenziertes Kurssystem), andererseits Schlüsselkompetenzen (Teamfähigkeit, Kreativität, Kritikfähigkeit) durch Formen des Zusammenlebens (Gruppenunterricht, Feiern, Kreisgespräch) zu vermitteln. Kinder arbeiten einen bestimmten Teil des Schultages in Gruppen zusammen, in denen in der Regel drei Jahrgänge gemischt werden. Dadurch werden gemeinsame Prozesse natürlichen Lernens angeregt, Vorteile sozialer Erziehung genutzt, eine positive Persönlichkeitsentwicklung insgesamt gefördert (weniger Druck, Angst, mehr emotionale Stabilität, Neugier, Freude). Tests aller Art, ob national oder international, jahrgangsspezifisch oder auf den Übertritt hin konstruiert, fachspezifisch oder übergreifend, bilden keine günstige Grundlage, um Kinder – die sich durch Unterschiede auszeichnen – besser zu fördern. Jenaplanschulen stehen Eltern offen, denn sie sind die wichtigsten Partner einer Schulgemeinde.

 

Sein Einfluss. Pädagogische Prinzipien Petersens, die auch heute kaum etwas von ihrer Bedeutung verloren haben, betreffen das wechselseitige Helfen in der Lerngemeinschaft altersdifferenzierter Gruppen, die Bedeutung von Arbeit, Gespräch, Spiel und Feier für die Gestaltung pädagogischer Situationen und den hohen Stellenwert von Arbeitsmitteln für die Selbsttätigkeit der Schüler. Zentrale Ziele der Jenaplan-Pädagogik beziehen sich auf die Integration behinderter Kinder und die aktive Rolle der Eltern im Schulleben. Petersen und seine Erziehungsphilosophie sind, mit heutigen Augen betrachtet, ein sperriger Klotz im modernen pädagogischen Denken. Eine wesentliche Schwierigkeit, hinderte, Petersen ausschließlich unter historischen Gesichtspunkten zu betrachten, ist in der Tatsache zu sehen, dass er eine Pädagogik hervorbrachte, die in den bestehenden Jenaplan- bzw. Peter-Petersen-Schulen auch heute noch eine lebendige Praxis hat. Die Gesellschaft für Jenaplanpädagogik in Deutschland listet auf ihrer Website 38 Jenaplan-Schulen auf.

 
             

 

Kurt Hahn 1886 - 1934

"Es ist Vergewaltigung, Kinder in Meinungen hineinzuzwingen."
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1886 Juni 5. in Berlin geboren.

1904 Abitur am humanistischen Kaiser Wilhelm Gymnasium. Studium vor allem der Philosophie und Philologie in Berlin, Heidelberg, Freiburg, Göttingen und Oxford.

1914 politischer Referent für das Auswärtige Amt, politischer Vertrauter des Reichskanzlers Prinz Max von Baden.

1919 Gründungsinitiator der zeitweise politisch sehr einflussreichen Heidelberger Vereinigung.

1920 Initiator und Mitgründer der Schule Schloss Salem.

1932 Stellungnahmen gegen die nationalsozialistische Gewaltpolitik.

1933 Verhaftung durch die Nationalsozialisten.

1934 Flucht nach Großbritannien und Gründung der British Salem Schools in Gordonstoun/Schottland.

1941 Gründung der ersten Kurzschule, der Outward Bound Sea School in Aberdovey/Wales, heute gibt es weltweit ca. 30 offizielle Kurzschulen.

1953 Heimkehr auf den Hermannsberg bei Salem.

1974 Dezember 14. gestorben, beigesetzt in Salem.

      Hahn
 

Pädagogischer Leitgedanke. Sein Ziel war die Erziehung und charakterliche Formung von Menschen. Die Formung hielt er für nötig, da er zunehmende Mangelerscheinungen der Gesellschaft feststellte und gleichzeitig mit Lietz die mangelnde Charakterausbildung des staatlichen Schulwesens kritisierte. Das Heilmittel ist die Erlebnistherapie .Der Kern dieser Erlebnistherapie, oder wie es heute heißt, dem outdoor/wilderness-experience, dem challenge program, dem outdoor-training, dem outward bound oder der Erlebnispädagogik, ist ein kurzeitpädagogisches erlebnisorientiertes naturbezogenes Konzept. Das Programm trug den Namen „Outward-Bound“. Ein Begriff aus der Seefahrt, der den Zustand eines Schiffes beschreibt, das mit allem notwendigen Material und Wissen ausgerüstet ist um auf große Fahrt zu gehen. Hahn nutze diese Umschreibung als Synonym für die Vorbereitung junger Menschen auf die Große Fahrt ins Leben.

 

Seine Methode. 1. Körperliches Training: Hahn nutzt das körperliche Training zur Selbstentdeckung, dem Auseinandersetzen mit den eigenen Grenzen und der Selbstüberwindung. Er wollte keine Spitzenleistungen fördern sondern einen allgemeinen Grad an Fitness erreichen. Hierbei orientierte er sich an dem schwächsten Mitglied der Gruppe. 2. Expedition: Die Expedition stellt eine mehrtägige Herausforderung dar, bei dem das Medium Natur im Vordergrund steht. Hierbei ist der Teamgeist ebenso erforderlich wie das Alleinsein. Sinn ist es u. a. zu erfahren, welchen Stellenwert der Mensch in der Natur hat. 3. Projekt: Hierbei verfolgt Hahn einen ganzheitlichen Ansatz. Zum einen zeichnet sich ein Projekt aus dem Planen, Durchführen und Kontrollieren aus, zum anderen aus dem Ansprechen verschiedener Sinnesbereiche um die Intensität der Erfahrungen zu erhöhen. Dazu zählt der kognitive, der affektive und der psychomotorische Bereich (salopp: mit Kopf, Herz und Hand). Das erwähnte ganzheitliche Durchführen beinhaltet implizit, dass ein Projekt als abgeschlossene Einheit definiert wird. Das Ergebnis soll deutlich als solches erkennbar sein und der Gruppe zugeordnet werden können. 4. Dienst am Nächsten: Damit stellt Hahn fest, dass die Pädagogik der Friedenserziehung ein großartiges Feld ist um Erfahrungen zu sammeln. Dabei stellte er folgende Thesen auf: 1. Retten zeigt die stärkste Dynamik, nicht der Krieg. 2. Retten befriedigt den Drang, sich zu bewähren. 3. Junge Menschen sind lebhafter als Erwachsene. 4. Heranwachsenden muss ein Aktionsfeld geboten werden.

In neuerer Zeit wurde das Konzept um ein fünftes Element erweitert, nämlich der Selbstzucht, womit der Verzicht auf Alkohol oder Nikotin gemeint war. Durch diese Elemente verfolgte Hahn definierte Ziele. Er wollte Jugendliche durch die Herausforderung motivieren. Sie sollten erkennen, welche Fähigkeiten in ihnen stecken und den sozialen Umgang mit Menschen erlernen. Dabei wollte er möglichst viele Jugendliche erreichen. Bei der Realisation versuchte er die persönlichkeitsbildende Wirkung der Landerziehungsheime (Short-Term-School) zu nutzen.

 

Sein Einfluss. Begründer der modernen Erlebnispädagogik. Er sorgte und mühte sich um die Entwicklung der Kinder im Jugend- und Reifungsalter, zumal er überzeugt war, dass hochgelobte und weitverbreitete Konzepte wie etwa die Psychoanalyse und die Tiefenpsychologie mit ihren Methoden der Introspektion, Assoziation und Reflexion der frühkindlichen Erfahrung das Problem der Pubertät nicht lösen konnten. Was Hahn in die Diskussion einbrachte, war eine einfache, aber wirkungsvolle „Therapie“. Sie sollte den Jugendlichen von seinen inneren Nöten ablenken, ihn nach außen kehren und mit vielen verschiedenen Tätigkeiten in enge Berührung bringen. Durch bewusst herbeigeführte "Erlebnisse" sollten die Jugendlichen lernen, sich selbst zu erkennen und ihre „grande passion“ zu entdecken.

 
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Anton Semjonowitsch Makarenko 1888 - 1939

"Höchste Anforderungen an den Menschen, gleichzeitig aber höchste Achtung vor ihm."
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1888 März 13. wurde Makarenko in der ukrainischen Kleinstadt Belopolje geboren.

1905 bis 1914 arbeitete Makarenko als Lehrer an einer zweiklassigen Schule für die Kinder der Eisenbahner.

1914 trat in das Poltawer Lehrinstitut ein. In diesem Jahr schrieb Makarenko seine erste Erzählung „Ein dummer Tag“.

1920 wurde ihm der Auftrag erteilt, eine Kolonie für jugendliche Rechtsverletzer zu übernehmen.

1925 entfachte auf Initiative Makarenkos ein reger Briefwechsel zu Maxim Gorki.

1934 wurde Makarenko in den Sowjetischen Schriftstellerverband aufgenommen.

1936 arbeitete er an seinen Werken „Buch für Eltern“.

1939 starb Anton Semjonowitsch Makarenko.

 

      Makarenko
 

Pädagogischer Leitgedanke. Das Kollektiv war der Rahmen, die Orientierung für seine Mitglieder durch feste Regeln, Traditionen, Disziplin, seine Zielsetzung und festen Aufgabenbereiche. Die Organisation, Zielsetzung, Inhalte des Kollektivs war von allen Mitgliedern entwickelt und mitbestimmt. Jeder Kollektivangehöriger hatte Sicherheit, weil sein Kollektiv in der Lage war, die Interessen seiner Mitglieder nach außen zu vertreten. Somit war das Kollektivziel als oberstes Ziel für jedes Individuum nachvollziehbar, zumal Makarenko darauf bestand, dass es nur ein freiwilliges Kollektiv geben kann. Das Prinzip der Unterordnung und der Verantwortlichkeit beschrieb Makarenko als einen Grundsatz des Kollektivs, in dem alle Mitglieder sich selbst und dem Anderen gegenüber verantwortlich sind. Makarenko sah übrigens auch eine Familie als Kollektiv an. Die kollektive Erziehung unterschied sich massiv von den traditionellen Erziehungsstilen, in denen der Lehrer die alleinige Verantwortung für die Erziehung des Schülers hatte. Die Schüler erzogen sich gegenseitig durch die geforderte Verantwortlichkeit. Neue Kollektivmitglieder kamen in die Obhut erfahrener Kolonisten. Das Kollektiv organisierte sich selbst, hatte starke Entscheidungsbefugnisse und erzog in erster Linie seine Mitglieder selber. Der Lehrer rückte mehr und mehr in den Hintergrund und nahm innerhalb des Kollektivs eher eine Rolle des freundschaftlichen Beraters ein. Er ernannte Kommandeure auf Vorschlag des Kollektivs, machte bei Strafen des Kollektivs seinen Einfluss geltend und vertrat das Kollektiv nach außen. In der Gorkij-Kolonie herrschte eine raue, aber herzliche Atmosphäre und es zeigte sich bald, dass die vorher als asozial geltenden Jugendlichen sehr wohl in der Lage waren, in das Kollektiv sich einzufinden und für jüngere Kolonisten Verantwortung zu übernehmen.

 

Pädagogischer Grundkern. Er plädierte für die Erziehung durch das Kollektiv, für die Erziehung der Zöglinge zu allseitig entwickelten Persönlichkeiten auf humanistischer Grundlage, für die Erziehung ohne Gewalt und ohne hierarchische Autorität durch Lehrer.

 
Seine Methode. Seine Zöglinge sollten Disziplin verinnerlichen und die Kolonie selbst verwalten. Neben dem regelmäßigen Schulunterricht arbeiteten die Zöglinge auf dem Feld und in Werkstätten. Mit dem Verkauf der Produkte finanzierten sie ihre Kolonie. Hauptziel war die Resozialisierung der gestrandeten Jugendlichen. Bei Fehlverhalten Einzelner entschied das Kollektiv und fällte ein Urteil (Kommunardengericht).
 

Sein Einfluss. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit Makarenkos bestand in der Resozialisierung der verwahrlosten Jugendlichen. Vieles an seinen Ideen und Methoden ist für uns nicht genießbar: die öffentliche Selbstbezichtigung bei Verstößen, die doppelte Moral, die den Diebstahl im Kollektiv schwer ahndete, aber beim Diebstahl für das Kollektiv beide Augen zudrückte, der rüde Ton der Polemik, der primitiv aufklärerische Hochmut, mit dem er auf das Christentum herabsah.

 
             

 

Martin Wagenschein 1896 - 1988

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1896 Dezember 3. geboren in Gießen.

1914 Immatrikulation an der Ludwigs-Universität in Gießen in den Fächern Mathematik, Physik, Geographie.

1915 Ausbildung zum Krankenpfleger.

1920 Promotion bei Prof. Walther König.

1921 Beginn der pädagogischen Ausbildung.

1924 - 1930 Beurlaubung aus dem Staatsdienst an die Odenwaldschule

1933 Beitritt zur NS-Volkswohlfahrt (März-Nov. Kassierer) und zum NS-Lehrerbund

1938 Beitritt zur NSDAP

1945-1954 Aufbauschule Traisa

1954 bis 1957 Schuldorf Bergstraße

1952 bis 1987 Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Darmstadt für "Praktische Pädagogik“

1988 April 3. Tod in Trautheim.

      Wagenschein
 

Pädagogischer Leitgedanke. Martin Wagenschein kritisierte die Stoffülle an Schulen, besonders an den Höheren Schulen, denn die LehrerInnen wären gezwungen, eine große Fülle an Stoff zu lehren. Wagenschein verglich dies mit einem Koffer, den die SchülerInnen schleppen müssen, der mit der Zeit vor Überfülle platzt und dessen Inhalt sich deshalb wieder zwangsläufig ausleert.

 

Sein Erziehungsziel. Eine praktische, an den Bedürfnissen der Schule orientierte und hinderliche Fachgrenzen überwindende Pädagogik, die Modelle für neue Lösungen enthält und auf welche eine künftige schulpädagogische und fachdidaktische Forschung mit Gewinn zurückgreifen kann.

 

Seine Methode. Die Höhere Schule hat sich entwickelt, als wäre sie eine Fachschule für alle Fächer gleichzeitig" (Wagenschein, 1965). Exemplarisches Lernen dagegen baut auf Gründlichkeit, d.h., der Lernende sollte anhand eines Beispiels den gesamten Bereich des Lernstoffes verstehen, dafür setzt er sich mit dem Beispiel intensiv auseinander und erwirbt somit die Fähigkeit, es später auf den gesamten Bereich zu übertragen. Wagenschein empfiehlt, nur ganz bestimmte Themen auszuwählen und sich diesen dann intensiv zu widmen. Lernende sollen Gelegenheit bekommen, viel Zeit in ein Thema zu investieren, denn erst eine tiefe Auseinandersetzung führt zur Liebe und Begeisterung für eine Sache Wagenschein gilt gemeinhin als Begründer des exemplarischen Prinzips im Unterricht hat später die Dreiheit genetisch-exemplarisch-sokratisch betont und dabei das Genetische unter den Aspekten "Werden und Gewordenes" als umfassende Kategorie bestimmt. Genetisch meint im Unterricht ganz konkret, dass die Schüler die grundlegenden Inhalte der Naturwissenschaften aus ihren Beobachtungen heraus selbst entwickeln. Genetisch meint also auch das schrittweise Nachvollziehen geschichtlicher Entwicklungen und das Untersuchen eines Gegenstandes bezüglich seines Zustandekommens. Sokratisch meint vor allen Dingen die Gesprächsform, in der der Lehrer mit den Schülern und vor allen Dingen die Schüler miteinander kommunizieren. Exemplarisch wendet sich an Wagenscheins Kritikpunkt der stoffüberfüllten Lehrpläne. Seiner Meinung nach ist die exemplarische Methode der einzige Weg, ein Wissen zu vermitteln, dass statt in die Breite in die Tiefe geht, also ein vollständiges Verstehen ermöglicht. Der Stoff wird dabei auf Teilgebiete beschränkt, aus denen eine exemplarische Auswahl getroffen wird.

 

Sein Einfluss. Wagenschein gilt gemeinhin als Begründer des exemplarischen Prinzips im Unterricht hat später die Dreiheit genetisch-exemplarisch-sokratisch betont und dabei das Genetische unter den Aspekten "Werden und Gewordenes" als umfassende Kategorie bestimmt. Viele seiner Ideen wurden zwar anerkannt, werden aber nicht praktiziert, da sie einerseits stark von seiner Persönlichkeit geprägt waren, andererseits unsere Gesellschaft die Schulen immer noch vorrangig als Institutionen zur Auslese junger Menschen für gesellschaftliche Positionen sieht.

 
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Célestin Freinet 1896 - 1966

"Schulbücher sind ein Instrument der Verdummung."
platz

1896 Freinet wird am 15. Oktober Dorf in der Provençe geboren.

1915 zum Kriegsdienst eingezogen.

1920 Trotz der Verletzungsfolgen schafft es Freinet, seine erste Lehrerstelle anzutreten. Er kauft eine Druckpresse und lässt seine Schüler freie Texte schreiben und drucken. Bald entstehen daraus Klassenzeitungen. Die Druckerei wird zum Symbol der rasch wachsenden "Freinet-Bewegung".

1927 findet der erste Kongress der "Ecole Moderne" statt, die fortan jährlich stattfinden.

1935 eröffnen Célestin und Elise Freinet ein privates Landerziehungsheim in Vence, das bald zum Zentrum praktischer pädagogischer Forschung wird. Im Zentrum der Schule steht die praktische, sinnvolle, schöpferische und das Kind entfaltende Arbeit.

1961 wird die "Féderation Internationale des Mouvements de l’Ecole Moderne" (FIMEM) ins Leben gerufen, die zur Koordinierung der Freinet-Bewegungen in verschiedenen Länden dienen soll.

1966 Am 8. Oktober stirbt Célestin Freinet in Vence.

      Freinet
 

Pädagogischer Leitgedanke. Freinets Bild vom Kind Freinet ging davon aus, dass Kinder lernen wollen! Er nimmt an, dass es eine natürliche Methode des Lernens gibt, mit der die Kinder lernen. Wenn das Kind keine Lust mehr hat zum Lernen muss die Unterrichtsmethode und Technik verändert werden.

 

Sein Erziehungsziel. Es ist unbedingt notwendig, dass die Lehrer sich von dieser mechanischen Wissensermittlung freimachen, um sich der Erziehung des Kindes zu widmen.

 

Seine Methode. Die Techniken, Methoden und Materialien, der Freinet Pädagogik, sind darauf ausgelegt, dass Erfahrungen selbst gemacht werden können. Er wollte nicht, dass den Kindern vorgefertigte Texte aus Schulbüchern vorgelegt werden, die Texte für die eigene Fibel sollten selbst verfasst und gedruckt werden.

Vier Grundprinzipien nach Freinet : 1. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit: Beim freien Schreiben, Gestalten, Musizieren, etc. lernen die Schüler sich zu öffnen und auf andere einzugehen. Eine solche "Befreiung" ist wesentlich für die Persönlichkeitsentwicklung und stärkt die Kräfte des Menschen. 2. Die kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt: Die Lebenswelt der Schüler und deren Bedürfnisse bilden den Ausgangspunkt für praktische Arbeitsvorhaben, Untersuchungen und Erkundungen. 3. Selbstverantwortlichkeit des Kindes: Die Schüler sollen lernen nicht nur die eigene Situation einzuschätzen und die Arbeit nachselbst gewählten Maßstäben zu organisieren, sondern auch die persönliche Identität und die Verschiedenheit der Mitschüler zu respektieren. 4. Kooperation und gegenseitige Verantwortlichkeit: Demokratisches Zusammenleben. Es wird gelernt in einer Atmosphäre von Vertrauen zu der die offene Diskussion von Konflikten und die gegenseitige konstruktive Kritik und Hilfe ebenso gehört wie das Hinterfragen und Neuerarbeiten von Regeln und Strukturen in der Gruppe. Um diese Prinzipien verwirklichen zu können wurden in der Freinet Pädagogik eine Fülle vonTechniken, Methoden und Arbeitsmitteln entwickelt. Die wichtigsten sind: Klassenrat, Klassenindividueller Wochenplan, Dokumentation und (individuelle bzw. gemeinsame) Bilanz der geleisteten Arbeit, freier Ausdruck, Druckerei,  Klassenzeitung und Wandzeitung, Arbeitsateliers, Arbeitsbibliothek und Schülerarbeitskarteien (anstelle von Schulbüchern), Erkundungen und Untersuchungen außerhalb des Klassenraumes.

 

Sein Einfluss. Célestin Freinet gründete eine gemischte Schule für proletarische Kinder von 4 bis 14 Jahren, in der in Form eines Experimentierlaboratoriums in dem Theorien und Techniken Freinets erprobt und weiterentwickelt wurden und noch heute werden. Diese "Ecole Freinet" existiert noch heute und umfasst etwa 65 Kinder in 3 Klassen. Seit September 1991 hat sie den Status einer "Ecole publique" und befindet sich als einzige Grundschule Frankreichs in Trägerschaft des Staates. Die Bewegung der "Ecole Moderne" ist heute eine der größten und wichtigsten französischen Reformbewegungen, insbesondere innerhalb des Primärschulsystems und in mehr als 40 weiteren Ländern der Erde verbreitet. Die Freinet Pädagogik hat sich im europäischen Raum stark verbreitet. Regelmäßige Seminare und Treffen versuchen, die Freinet Pädagogik weiterhin zu verstärken. In Deutschland gehört sie zu den bekanntesten reformpädagogischen Bewegungen In Deutschland findet die Freinet Pädagogik nicht nur in Regelschulen Anwendung sondern vermehrt auch in Kindergärten, Sonderschulen und in der Ausländerpädgogik. Durch das versuchsweise Herantasten, Experimentieren, durch kindgerechtes, lebensnahes Lehren und Lernen an und in der Natur kann diese Pädagogik für unterschiedliche Niveaus problemlosgenutzt werden.

 
             

 

Hermann Gmeiners 1919 - 1986

"Keine Hilfe kann wirksam sein, wenn ein Kind ohne Zuhause aufwächst."
platz

1919 Juni 23. in Vorarlberg (Österreich) geboren.

1945 Soldat in Russland im 2. Weltkrieg.

1949 mit 600 Schilling in der Tasche gründet den Verein SOS Kinderdorf.

1960 SOS Kinderdörfer international.

1985 233 SOS Kinderdörfer in 85 Ländern.

1986 stirbt in Innsbruck und wird im SOS Kinderdorf Imst begraben.

      Gmeiner
 

Pädagogischer Leitgedanke. Er wollte, dass Kinder, die nicht angenommen sind, angenommen werden, als wären es die eigenen; dass Kinder, die keinen Ort haben, beheimatet werden; dass Kinder, die keine Wurzeln haben, verankert werden - und dass sie später auf eigenen Beinen stehen können. In Imst in Tirol legte er den Grundstein für das erste Haus, genannt "Haus Frieden". Er brach sein Studium ab und widmete sein Leben seiner Vision: ein Zuhause für Kinder in Not zu schaffen, wo sie wie in einer Familie aufwachsen: mit einer SOS-Mutter, den Geschwistern, in einem Familienhaus, in einem schützenden Dorf.

 

Methode. Er begann im Freundeskreis mit einer einfachen Bitte: Mit nur einem österreichischen Schilling im Monat könne für viele Kinder das Schicksal zum Guten gewendet werden. Je mehr Menschen bereit seien, diesen einen Schilling im Monat zu spenden, desto mehr Kindern könne geholfen werden. Und Hermann Gmeiner gewann viele Unterstützer für seine Idee. Dörfer des Friedens, die keine Rassenunterschiede kennen wurden geschaffen. Das einzige Mittel gegen Inhumanität ist Mitgefühl und Mitverantwortung für den anderen. Nur ein geliebtes Kind kann ein liebender Erwachsener werden.

 

Sein Einfluss. Heute gibt es in 133 Ländern 533 SOS-Kinderdörfer und über 1700 soziale Zusatzeinrichtungen und Projekte, wie Kindergärten, Schulen, Jugendhäuser, Ausbildungszentren, Krankenhäuser, Sozialzentren, Familienhilfe-Programme und Nothilfe-Aktionen. Weltweit gibt SOS rund zwei Millionen Menschen - Kindern und ihren Familienangehörigen - eine Perspektive. Über sechs Millionen SOS-Kinderdorf-Freunde helfen weltweit, das Werk Hermann Gmeiners fortzuführen.

 
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