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Das Projekt

 
     
Auf dieser Seite wird das Projekt vorgestellt. Wenn Sie auf die einzelnen Überschriften klicken, erscheint der dazugehörige Text. Nicht alles wird jeden und jede interessieren. Wir möchten aber jedem die Möglichkeit geben, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen.       Logo
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Dazu zählt eine Begründung des Namens "Jahrhundertkind", an wen sich das Projekt richtet, was unter Zeitzeugen verstanden wird, wer das Projekt gefördert hat, welche Kooperationspartner beteiligt waren und schließlich, welche Konzeptidee hier realisiert wird. Das Projekt wird vom Deuschen Insitut für Heimerziehungsforschung durchgeführt. Es ist ein An-Institut der Evangelischen Hochschule Berlin. Viele Studierende haben geholfen, dass dieses Projekt realisiert werden konnte.


Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und insbesondere von der Bundesbeauftragten für die Neuen Länder.
 

BMI

     
     

 

Der Name "Jahrhundertkind"

 
 
Der Name Jahrhundertkind soll Programm sein. Das 20ste Jahrhundert war für die Heimerziehung von zwei Faktoren geprägt.       Logo


Einerseits durch die Entstehung des modernen Jugendhilfesystems, das in Deutschland durch die Funktion des Jugendamtes und durch das strukturgebende Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes  (RJWG 1922) stark geprägt wurde. Andererseits durch die Errichtung der großen "Anstalten" mit ihrer entsprechenden Pädagogik und - in der zweiten Jahrhunderthälfte vor allem seit den 70er Jahren - deren Auflösung und deren Abbau. Ost- und Westdeutschland haben sich dabei verschieden entwickelt, maches verlief sehr ähnlich, anderes ist nur vergleichbar.
Schon sehr früh ist diese Entwicklung reflektiert und kritisiert worden. Insbesondere die Reformpädagogik steht dafür. Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist die Verbindung von anstaltsartigen Einrichtungen, Verwahrpädagogik, sozialer Stigmatisierung und einen Jugenhilfesystem, das dem Kindeswohl häufig nur sehr hilflos gegenüberstand, in Auflösung begriffen. Dennoch hat es noch lange Zeit gedauert, bis das häufig harte Schicksal vielen Kinder und Jugendlichen, die in diesen Einrichtungen lebten und einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachten, zum Gegenstand öffentlichen Interesses und gesellschaftlicher Aufarbeitung geworden ist.
Die Geschichte dieser öffentlichen Auseinandersetzung und die Versuche, die individuellen Folgen und Spätfolgen der Heimaufenthalte vom Vergessen zu befreien, sind im Kapitel "Aufarbeitung" dargestellt worden.
Dieser Prozess war für alle Beteiligten schmerzhaft und er wird wohl auch nicht zu beenden sein. Vieles ist ans Licht gekommen, von dem die meisten nie etwas wissen wollten und lange Zeit nicht für möglich gehalten haben. Diejenigen, um die es dabei vor allem ging - die ehemaligen Heimkinder - mussten erfahren, wie wenig auch in einer Demokratie für die Benachteiligten der Vergangenheit ermöglicht worden ist. Das Schicksal der Heimkinder, die in den Heimeinrichtungen des 20sten Jahrhunderts lebten, bildet den Gegenstand unseres Projektes. Der Namen Jahrhundertkind soll darauf deuten, dass sehr viele Kinder des letzten Jahrundert in Kinderheimen lebten und litten. Allein in Deutschland sind es über eine Million Kinder.

Im Osten - so die Schätzung der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Expertisen - sind es ca. 500.000 Kinder. Im Westen 800.000. Von diesen Kindern haben sich ca. 50.000 an den Fonds Heimerziehung gewandt. In jedem Bundesland sind Anlauf- und Beratungsstellen eingerichtet worden, die bis 2018 arbeiten werden.

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Die Adressaten des Projektes

 
 
Das Projekt wendet sich an verschiedene Adressaten.       Logo


Es spricht die öffentliche, gesellschaftliche und politischen Dimension des Themas an
. Jede menschliche Gesellschaft bringt Leid und Ungerechtigkeiten hervor. Die Kritik an sich selbst ist eine zivilisatorische Leistung, die in angemessener und konstruktiver Weise zur Routine der Zivilgesellschaft gehört. Vor allem die
westlichen Demokratien haben die Stärke entwickelt, die Schattenseiten ihrer eigenen Verfasstheit öffentlich zu kritisieren. Unser Projekt möchte zur Versachlichung der öffentlichung Diskussion beitragen, in dem es alle gesellschaftlichen Akteure zur Mitarbeit einlädt und die Verschiedenheit der möglichen Gesichtspunkte respektiert. Es möchte auch dazu beitragen, dass die Fehler und Einseitigkeiten, die in diesem Prozess unterlaufen sind und die jeder menschlichen Bemühung anhaften, den Ertrag der Aufarbeitungsbemühung nicht verdecken.  

Es spricht zweitens die Fachöffentlichkeit an. Dazu zählen alle Personen, denen - direkt oder indirekt - vor allem aus beruflichen Gründen Kinder anvertraut sind und von denen das Wohl unserer Kinder abhängt. Dieser Fachöffentlichkeit (Studierende, Lehrende, Pädagogen, Fachverbände, Juristen, Psychologen usw.) soll unser Projekt als Wissenssicherung dienen. Dabei geht es weniger um die Aufbewahrung von Erkenntnissen, sondern um ihre Diskussion. Wir wollen, dass die Einsichten, die sich aus der Beschäftigung mit dem Projekt der Aufarbeitung der Heimerziehung gebildet haben, in den universitären Diskurs überführt werden. Dafür wollen wir auf dieser Plattform umfangreiches Wissen allgemein Verfügbar machen.

Es spricht vor allem die Betroffenen an. Das sind die Menschen, die ehemals als Kinder und Jugendliche unter beruflich-pädagogischer Aufsicht in den Heimeinrichtungen der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts lebten. Es sind nicht allein die unersetzbaren Erfahrungen dieser Zeitzeugen, die uns zum Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion werden. Genauso wichtig ist uns, dass die ehemaligen Heimkinder eine Artikulationsplattform erhalten, auf der Ihre Lebensläufe und ihre Geschichten Ernst genommen und in ihrer Verschiedenheit, in der Verschiedenheit ihrer Bewertungen und in ihrer individuellen Einmaligkeit respektiert werden.

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Zeitzeugenbeteiligung

 
 
Das Projekt Jahrhundertkind verfolgt diese Ziele nicht allein. Es möchte mit allen Zeitzeugen, die an der Aufarbeitung der Heimerziehung interessiert sind, zusammenarbeiten.       Logo


Im Zentrum stehen die ehemaligen Heimkinder. Wir wollen sie nicht mehr nur als "Betroffene", "Opfer", oder "Benachteiligte" ansehen und ansprechen. Indem wir sie "Zeitzeugen" nennen, fügen wir dem Aspekte der Aufmerksamkeit auf Vergangenes, auf die Geschichte, auf die Kindheit und auf all das was zurückliegt einen neuen - wir meinen entscheidenden - Aspekt hinzu: der Zeitzeuge vergisst nicht was geschah und was ihm geschah, er schaut aber nicht allein rückwärts, sondern stellt seine Erfahrung und sein Wissen für all diejenigen bereit, die heute und morgen verantwortlich mit Kindern umgehen wollen. Durch diese produktive und kreative Aufgabe erhält sein Schicksal, seine Erfahrung, sein Leiden einen anderen Sinn. Es stellt der oft bedrückenden Atmosphäre der eigenen Erinnerung eine gegenwärtige Aufgabe zur Seite, die Ankennung und Selbstachtung verspricht. Indem der Zeitzeuge uns allen hilft, die Vergangenheit zu verstehen, hilft er sich selbst, aus der negativen Rückblende und Verengung seiner Lebensmöglichkeiten herauszufinden.

Mit heutigen Pädagogen oder heutigen Schülern und Studierenden aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, ist eine Aufgabe, die nicht theoretisch allein einlösbar ist. Wir wissen aus eigener Lehre an den Hochschulen, wie schnell über theoretisches Wissen hinweggelesen wird. Lernende müssen erst Neugierde und Aufmerksamkeit entwickeln, bevor sie die Relevanz und Bedeutsamkeit einer "nackten Tatsache" begreifen. Diese Neugier entsteht aber - wie überhaupt alles Menschliche - aus einer Begegnung mit anderen Menschen. In der Begegnung kann ein fremdes Schicksal zum Teil des eigenen Selbstverständnisses werden: das ist die Geburt von Neugier und Aufmerksamkeit. Deshalb sind Zeitzeugen eine unersetzbare Wissensquelle. Sie verschaffen dem theoretischen Wissen diejenige emotionale Nachhaltigkeit, die in der Begegnung mit Menschen entstehen kann, die aus erster Erfahrung berichten können, die von ihren Erlebnissen geprägt sind und die die erlebte Zeit bezeugen können. 

Wir wünschen uns von den Zeitzeugen, dass wir Ihrer Lebenserfahrung zur Lebenserfahrung der Öffentlichkeit machen können.

Das kann in sehr verschiedener Weise geschehen. Es kann dadurch geschehen, dass Informationen über das Heim, indem der Zeitzeuge lebte, mit seinen Erfahrungsberichten lebendig gemacht werden. Oder in dem die Zeitzeugen mit uns kleine Filme drehen, in denen sie erzählen, was ihnen damals wichtig war und was heute ihr Leben bestimmt. Wir würden gerne Bilder auf unsere Homepage stellen, wenn die Zeitzeugen uns welche zur Verfüngng stellen. Nicht allein Fotos von alten Gebäuden, sondern vielleicht auch Bilder, die die Zeitzeugen als Kind gemalt haben oder Bilder, die die Zeitzeugen heute malen und die den Blick eines Kindes bewahrt haben. Wir hoffen, dass durch die Mitarbeit der Zeitzeugen, fehlerhafte  oder irrtümlich Informationen des Heimatlas' korrigiert werden. Am Ende haben wir vieleicht einen Heimatlas, der alle DDR-Kinderheime (und später auch alle Heime der Bundesrepublik) enthält. Wir suchen Informationen über Filme, Bücher, Quellen. In welchem Archiv könnten sich Akten über Heime befinden? Wo gibt es Gedenkstätten? Wer kennt Studierende, die ihre Seminar- BA- oder Masterarbeiten über Heimerziehung geschrieben haben? Wer hat welche Erfahrungen mit psychologiscen Hilfseinrichtungen? Was hat bei der Aufarbeitung geholfen, was muss besser werden? Es gibt sicherlich viele weitere Fragen.

Jeder und jede der oder die mitmachen möchte, werden als MitarbieterIn angesehen und auf eine extra zu diesem Zweck einzurichtenden Seite namentlich vermerkt (wenn sie es möchten). Zeitzeugen können also ihren Namen nennen oder auch anonym bleiben.

Wir sprechen aber nicht allein ehemalige Heimkinder an. Wir wünschen uns auch die Mitarbeit ehemaliger und gegenwärtiger Erzieher und Erzieherinnen, von Historikern, Juristen, Psychologen. Sie alle können bestimmte Aspekte unseres Themas erhellen. Wir hoffen auch, dass diejenigen, die den Aufarbeitungsprozess politisch gestaltet haben, sich als Experten sich beteiligen.

Bisher haben etwa 120 ehemalige Zeitzeugen Ihre Mitarbeit zugesagt. Das ist eine Menge und zeigt, dass wir einen großen Vertrauensvorschuss haben. Über einige haben wir bereits Filme gedreht, viele haben den Fragebogen ausgefüllt und uns damit wertvolle Informationen geliefert (diese Informationen werden im Sommer ausgewertet und alle, die es wünschen, erhalten diese - anonymisierte - Auswertung).

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Wer fördert dieses Projekt?

 
 
Dieses Projekt erfordert sehr viel Mühe und Engagment. Es hat es hat eine Vorgeschichte, an der neben den Gründern unseres Institutes viele Menschen beteiligt waren.       Logo


Es begann 2010 mit dem von einer kleinen Forschungsgruppe verfassten und vom damaligen Wissenschaftssenator Zöllner herausgegebenen Bericht über die Berliner Kinderheime (Berliner Bericht). Ein Jahr später sind von der Bundesregierung Expertisen in Auftrag gegeben worden, die die wissenschaftliche Grundlage für den Fonds-Heimerziehung boten. Es folgten eine Reihe von erfolgreich abgeschlosser Forschungsprojekte (Vertiefende Aufarbeitung, Fachtagung Oktober 2014, Pädagogik im Niemandsland, Die Jugendhilfe in Lichtenberg, Name des Forschungsprojektes mit der Berliner Anlauf- und Beratungsstelle), die unter den Stichwort "Aufarbeitung" breiter beschrieben sind. 

Das hier veröffentlichte Projekt wird von der Bundesbeauftragten für die Neuen Länder Iris Gleicke unterstützt. Das Projekt begann im Herbst 2015. Der offizelle Titel lautet: "Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR mit Zeitzeugenbeteiligung". Es beinhaltet diese Internetplattform zur Aufarbeitung der Heimerziehung von 1945-1989. Ein wichtiges Moment diese Projektes nehmen die Zeitzeugen ein. Mit ihrer Hilfe solle eine Plattform entstehen, die sukzessive ausgebaut und allen Interssierten ein umfassendes Wissen von der Heimerziehung des 20sten Jahrhunderts und seiner Menschen bietet wird.

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Beteiligte Wissenschaftler

 
 
An diesem Projekt haben sehr viele Menschen mitgewirkt. Unter der Rubrik "Mitarbeiter" sind ein Großteil von Ihnen aufgeführt. An dieser Stelle sollen diejenigen genannt werden, die zur wissenschaftlichen organisatorischen und technischen Realisierung des Projektes beigetragen haben.        Logo 

Karsten Laudien

Professor für Ethik an der EHB - Leitung des DIH
Anke Dreier-Horning Lehrbeauftragte für das Fach Ethik an der EHB - Leitung des DIH
Toni Pritschke Lehrbeauftragter für das Fach Ethik an der EHB - Wissenschaftler beim DIH
Hans Ulrich Krause Vorsitzender IGFH (Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen)
Peter Schruth Professor für Recht (Hochschule Magdeburg Stendal)
Henriette Katzenstein Psychologin DIJuF (Deutsches Institut für Jugend und Familienrecht)
Claudia Kittel Deutsches Institut für Menschenrechte
Jens Planer Friedrich Beim Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit
Yvonne Laue Teamleitung der Anlauf- und Beratungsstelle des Landes Brandenburg
Anne Drescher Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern
Stefan Laskowski Stellv. Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen
Birgit Neumann-Becker Landesbeauftragte für die Unterlagen der Stasi Sachsen Anhalt
Gunnar Höse IT-Spezialist - www.capo-systems.de
Yvonne Tarrach

Designerin - www.tarrach.net

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Das Forschungsprojekt

 
 

Der zentrale Gedanke, der dem Forschungskonzept zugrunde liegt, klingt sehr einfach. Es besteht letztendlich darin, die Zeitzeugen zu beteiligen. Allerdings ist diese Beteiligung sehr anspruchsvoll zu verstehen.

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Außerlich meint diese Beteiligung, dass die Zeitzeugen die Dimension des hier präsentierten Wissens bestimmen und gestalten sollen. Das bedeutet zunächst, dass neben dem Wissen der Akten, der Gesetzen, der Politiker, der Historitiker und der Pädagogen eine bisher wenig beachtete Sicht auf die Wirklichkeit entwickelt werden soll. Die Sicht derjenigen, die erst mit ihrer Kindheit und Jugend und im Gefolge davon häufig auch mit ihrem weiteren Leben am eigenen Leibe erfahren haben, was sich in der Geschichte erlebbar zugetragen hat. Das ist keine bloße Außerlichkeit.

Wir wollen also sogenanntes Herrschaftswissen - also wissen, das die erzeugt und überliefert haben, die zu einem bestimmten Zeitpunkt die Macht hatten, zu bestimmen, was mitgeteilt und was verschwiegen wird, die entscheiden konnten, wie, in welcher Sprache und mit welchen Worten über andere Menschen gesprochen wird - in den Hintergrund gedrängt wird und statt dessen, das Wissen der vormals Schweigenden und Nicht-erhöhrten sich Raum verschafft. 

Deshalb sollen bei diesem Projekt die Zeitzeugen ihre Informationen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen und sie sollen dadurch das Expertentum für ihre eigenen Erfahrungen zurückgewinnen. Sie sollen dieses Expertentum aber nicht als ein bloßes subjektives Gefühl haben, sondern sie sollen ihren eigenen Beitrag so verstehen dürfen, dass er über die Aufarbeitung des eigenen Schicksals hinauswirkt und zur Gestaltung des Selbstverständnisses unserer Gesellschaft beiträgt.

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